Bryonia dioica

Allerlei Zauberei (4) – Das Galgenmännlein

Bryonia dioica
Zaunrübe

Nach Teil 1 bis 3 der Reihe „Allerlei Zauberei“, wo es um den Haselwurm den Wünschesamen und um die Goldherstellung  ging , möchte ich die modernen Freizeithexen und Zauberlehrling nicht weiter auf die Folter spannen. Daher wende ich mich nun der Königsdisziplin  der Hexenkunst zu.

Das Hexenkraut schlechthin war und ist die Alraune. Sie verschafft Reichtum, macht unsichtbar und schützt vor jedem anderen Zauber. Auch vor Blitzschlag schützt sie ihren Besitzer, und kinderlosen Frauen bringt sie Fruchtbarkeit. Nun sollte man denken, dass es heute für uns leichter sein sollte, in den Besitz einer Alraune zu gelangen, als für die Menschen des Mittelalters. Ihnen war es nur schwer möglich, sich die Wurzel der Mandrogora officinarum zu beschaffen. Diese ist nämlich bei uns nicht heimisch.

Alternativ durfte es auch die Wurzel der Zaunrübe, Bryonia dioca sein, deren Saft nebenbei noch bei allerlei Liebeszauber hilft.  Doch an die Wirksamkeit der Wurzel sind Bedingungen geknüpft. Daher verwundert es kaum, dass ein solch zauberkräftiger Talisman in genau festgesetzter Erbfolge von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Der fünfte Sohn stand hier an erster Stelle. Starb er vor dem Vater, so war der älteste Sohn an der Reihe.

Den Besitz einer Alraune muss man natürlich geheim halten. Außer zu den Mahlzeiten, zu denen sie hervorgeholt wird oder zum Wahrsagen und zaubern bleibt sie versteckt.

Zu den Mahlzeiten? Selbstverständlich will eine Alraune gut versorgt werden. Dazu gehören neben  Essen und Trinken an Feiertagen auch ein guter Tropfen Wein, sowie jeweils bei Neumond neue Kleider. Schließlich dankt es die Alraune mit ihren Zauberkräften überreichlich.

Warum ist es aber heute schwieriger an eine Alraune zu gelangen?

Dies hängt mit Ihren Wachstumsbedingungen zusammen. Nur wenn die Zaunrübe unter einem Galgen wächst, wo sie aus dem Blut eines unschuldig Gehängten hervorgeht, erhält sie auch ihre Zauberkraft. Da Hinrichtungen am Galgen hierzulande doch sehr aus der Mode gekommen sind, und der einzig zulässige Termin zur Alraunengewinnung ein Freitag vor Sonnenaufgang ist, gilt es also zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

Die Umstände der Entstehung einer Alraune erklärt auch ihr todbringendes Geschrei, dass sie erhebt, wenn sie aus der Erde geholt wird. Früher schützte man sich, indem man seine Ohren mit Wachs verschloss. Heute gibt es da bessere Alternativen.

Allerdings muss nach wie vor ein schwarzer Hund als Helfer bei der Alraunengewinnung herhalten. Nicht ein weißes Haar darf an seinem Fell sein, sonst ist alle Mühe umsonst. Sind all diese Voraussetzungen erfüllt braucht man nur noch den Hund die Wurzel ausgraben zu lassen, sie dann mit einem Seil an seinen Schwanz binden, und sie von ihm herausziehen zu lassen.  Unnötig zu erwähnen, dass der Hund bei dieser Aktion sein Leben einbüßt. Der Ärger mit Tierschützern ist da natürlich vorprogrammiert, also macht mich für Risiken und Nebenwirkungen bitte nicht verantwortlich.

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