Apfelzeit

Der Herbst  ist nicht nur die  Zeit der Apfelernte, sondern auch die beste Zeit zum Pflanzen von Apfelbäumen. Noch vor 30 Jahren wusste dies jeder Gartenbesitzer. Heute jedoch höre ich von den Gärtnern, die Privatverkauf betreiben, regelmäßig das  Klagelied vom schlechten Herbstgeschäft.  Schönwettergärtner seien viele Kunden und das Wissen um die beste Pflanzzeit gehe immer mehr verloren. 

In der Tat werden heute  Rosen, Stauden und auch Obstbäume verkauft und gepflanzt, wenn sie in voller Blüte und im vollen Laub stehen. Die Produktion in Containern macht dies möglich.  Wurzelnackte Sträucher und Stauden, die jetzt langsam einziehen, bleiben dagegen Ladenhüter.

Jemand, der es eigentlich wissen sollte, fragte mich neulich, ob man Buchenhecken noch pflanzen könne. Dafür ist es noch zu früh, musste ich ihm entgegnen, warte bis Mitte November, wenn sie das Laub verloren haben.

Welche Apfelsorte aber ist die richtige für den eigenen Garten? Das große Sortiment an Apfelbäumen teile ich für mich in 2 Kategorien ein:

1. Schmeckt  2. schmeckt nicht.

Dann kommt noch eine weitere Unterscheidung hinzu:

1. Wächst  2. Wächst nicht

Während die erste Unterscheidung vom persönlichen Geschmack abhängt,  ist die zweite Einteilung viel schwieriger vorzunehmen. Sie ist von der Region und dem Boden abhängig. Ein gutes Beispiel dafür ist die Sorte ‚Ingrid Marie‘. Obwohl sie meinen Geschmackstest mit Bravour besteht, ist eine Anpflanzung dieser an sich nicht sehr anspruchsvollen Sorte in meiner Heimat vergebene Liebesmüh. Grund ist ihre Krebsanfälligkeit.

Nach dieser groben Einteilung kommen dann noch weitere Fragen. Wozu möchte ich den Apfel verwenden: Zum Sofortverzehr oder soll er eine gute Lagerfähigkeit besitzen. Oder möchte ich die Äpfel für Apfelsaft und Apfelmus verwenden.  Während für letzteres großfrüchtige Sorten wie ‚Grahams Jubiläumsapfel‘ und der wüchsige ‚Jakob Fischer‘ in Frage kommen, sind für den Sofortverzehr auch die viel kleineren Augustäpfel  (Sommeräpfel) wie z. B. der Klarapfel geeignet. Diese fallen bei mir jedoch meist in der Vorauswahl durch das Raster. Meist spielt die Höhe des Ertages eine untergeordnete Rolle. Ob es ein Sommer-, Herbst- oder Winterapfel sein soll ist da schon wichtiger.

Schließlich ist noch die Frage nach dem Platzbedarf wichtig. Für Kleine Gärten sind die relativ neuen, zwergartigen ‚Ballerina‘ Sorten gedacht.  Eine weitere Möglichkeit sind als Spalier vorgeformte oder selbst erzogene Pflanzen.

Die Haupteinteilung ist jedoch: Buschobst, Halbstamm und Hochstamm. Hochstämme sind für den Hausgarten eher ungeeignet, da sie kaum abzuernten sind. Halbstämme, möglichst auf schwach wachsenden Unterlagen veredelt, sind die Regel. Zum Pflücken „aus dem Stand“ eignet sich Buschobst. Hier ist jedoch zu bedenken, dass ein Apfelbusch später tiefe Astschleppen ausbildet. Wird Buschobst also, wie häufig, mitten in den Rasen gepflanzt, ist ein Mähen unter dem Baum kaum möglich.

Überhaupt ist Rasen das „Leichentuch der Bäume“. Gönnen sie ihrem Apfelbaum also eine größere offene Baumscheibe. Er wird es ihnen mit gesundem Wuchs und gutem Ertrag danken.

Die oft gestellte Frage nach alten Sorten ist  nur schwer zu beantworten. Als Beispiel mag hier ‚Granny Smith‘ herhalten. Diese Sorte gibt es auch schon seit 1868 -allerdings in Australien. In unseren Breiten taugt er allerdings nur wenig. Regional seit langem angebaute Sorten sind hier eher zu empfehlen. Persönlich habe ich aber auch keine Bedenken, schmackhafte neuere Sorten wie den ‚Elstar‘ anzupflanzen – sofern sie denn unter den örtlichen Gegebenheiten wachsen.

Daher mein Rat: Kaufen sie „Ihren“ Apfelbaum bei einem guten Gärtner in Ihrer Umgebung. Er wird die örtlichen Voraussetzungen am besten einschätzen können und Ihnen gegebenenfalls die gewünschte Sorte beschaffen.

Ripston Pepping

Ein älterer Gärtnerkollege, der immer ein paar interessant erzählte Geschichten auf Lager hat, berichtete mir neulich von der Anfrage eines Kunden nach der Sorte „Ripston Pepping“. Schon dass er die Sorte kannte, überraschte seinen interessierten Kunden wohl.  Der Gärtner gab noch zu bedenken, dass in den letzten 60 Jahren niemand nach dieser Sorte gefragt habe. Es sei allerdings in seiner Jugend seine persönliche Lieblingssorte gewesen, wohl auch wegen des Namens, der so schön auf der Zunge zergehe.  Er verwies ihn noch auf die Stelle, wo dieser Baum früher gestanden habe und versprach, ihm den Baum zu beschaffen. Natürlich wusste dieser Gärtner, wo die Sorte zu bekommen ist.

Der Kunde war hoch zufrieden, und das konnte er auch sein. Schließlich hat ihn sein Wunschbaum nicht einmal 20 € gekostet.  Versuchen sie doch einfach mal eine solche Serviceleistung im Baumarkt um die Ecke zu erhalten…

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Apfelsorten mit ihren Eigenschaften habeich ins Lexikon unter Nutzpflanzen aufgenommen.

Eine ganz persönliche Lieblingssorte habe ich natürlich auch. Es ist die Zuccalmaglio Renette, denn:

1. Schmeckt 2. Wächst

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Sonntag, und so lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen. Jetzt ist die richtige Zeit dafür. Der Ertrag wird zwar noch ein paar Jahre auf sich warten lassen, aber die Blüten des Apfelbaums haben schließlich auch ihren Wert, was auch die vielen sehr schönen, aber leider viel zu selten gepflanzten Zieräpfel zeigen.

3 Gedanken zu „Apfelzeit“

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