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Indian Summer in Norddeutschland

In den sozialen Netzwerken begegnen uns viele Fotografen und eben auch viele gute Naturfotografen.

Birgit Meyer Herbstimpressionen

Birgit Meyer Herbstimpressionen

Gerade hier in meiner unmittelbaren Nachbarschaft zeigt jedoch eine Fotografin ihre Bilder, die es immer wieder schafft, mit der Kamera zu malen.

Birgit Meyer Herbstimpressionen Birgit Meyer Herbstimpressionen

Birgit Meyer fängt nicht nur die Naturphänomene der hiesigen Moor- und Heidelandschaften ein, sondern sie präsentiert in besonderer Weise Stimmungen, die manchmal die Grenzen zur Malerei streifen. Besonders diese bunten Herbstimpressionen geben das eindrucksvoll wieder.

Birgit Meyer Herbstimpressionen Birgit Meyer Herbstimpressionen

Es ist eine Kunst, etwas zu sehen, was wir alle sehen, und es dann in dieser wundervollen, überraschenden Form einfangen zu können.

Genießt auch hier http://www.naturnah-fotos.de/

SCHLAFMOHN, ENGELWURZ UND APHRODITES QUITTEN

Die Pflanzen der Heiligen und Gottheiten,

Haben Sie gewusst, dass ein goldener Apfel unsterblich macht? Naja, jedenfalls glaubt das die alte illustre Gesellschaft in Walhall und Asgard bei täglichem Biss in einen dieser Alleskönner. Für Normalsterbliche davon übrig geblieben ist ja bekanntermaßen  der gerne auch von Usern des gleichnamigen IT-Konzerns verballhornte Satz „an apple a day keeps the doctor away“.

Schlafmohn, Engelwurz und Aphrodites Quitten
Baldrianblüte (Foto. Claudia Ritter)

Oder wer weiß schon, dass der Name des Baldrians von Baldur, einem strahlendem Spross Odins stammt. Außerdem ermöglicht das Kraut, die germanischen Wälder auf den Rücken von Hirschen zu erkunden, jedenfalls gelingt dies der Göttin Freya oder Frigg, der Gespielin Odins und immerhin zuständig für die Heilkunst.

Wenigstens wissen ja die Freunde von Asterix, Obelix und ihrer Wohngemeinschaft, dass die Misteln von Miraculix & Co. richtig verarbeitet Wahnsinnskräfte verleihen. Achtung – unbedingt mit einer goldenen Sichel schneiden! Doch auch ohne dieses exklusive Gartengerät der Druiden geerntet, verfügt diese Pflanze über eine ganze Reihe erstaunlicher, heilsamer Wirkungen.

Schlafmohn, Engelwurz und Aphrodites Quitten
Schlafmohn (Foto: Claudia Ritter)

Heilanwendungen und Rezepte

Fünfzig solch interessanter Pflanzen hat die Autorin Claudia Ritter in dem jüngst erschienenen Buch zusammengetragen. Mit höchst informativen Geschichten und Fakten rund um jede einzelne von ihnen bringt sie dem Leser eine ganze Reihe von Aspekten nahe. Vor allem stellt sie den informativ/unterhaltsamen Zusammenhang zwischen Wirkungsweisen der Pflanzen und den ihnen zugeordneten Sagen- und Religionsgestalten her.

Zu jeder Pflanze gehören aussagekräftige Fotos, Darstellungen der Götter und Heiligen, unterhaltsame Geschichten und Berichte voll botanischen Wissens, Benennung der wirksamen Inhaltsstoffe und Wirkungsweisen, so wie schließlich eine Reihe nachvollziehbarer Rezepte.

Schlafmohn, Engelwurz und Aphrodites Quitten
Granatapfel (Foto: Norbert Griebl)

Mit viel Liebe wurde hier ein Wissen zusammengetragen und kurzweilig wiedergegeben, das vom Alant bis zur Weinrebe die Pflanzen der Götter vorstellt, sie in den ihnen gebührenden kulturgeschichtlichen Zusammenhang stellt und ihre viele Jahrhunderte genutzte Bedeutung in der Volksmedizin und besonders ihre Verwendung in der Küche mit einer Vielzahl anwendbarer Rezepte angemessen würdigt. (wenn nötig auch mit deutlichen Warnhinweisen).

Ein umfangreiches Literaturverzeichnis rundet dieses Buch ab.

Schlafmohn, Engelwurz und Aphrodites Quitten
Foto: Mag. Gertrude Tritthart

Fazit

Ich kann dieses Werk von Claudia Ritter uneingeschränkt auch als wertvolles Nachschlagewerk empfehlen. Hier werden keine reißerischen Heilsversprechen dargestellt, wie sie einem so oft in entsprechend angehauchten Veröffentlichungen begegnen. Hier werden dem Leser bekannte und weniger bekannte Pflanzen sachlich und dennoch unterhaltsam umfassend vorgestellt. Dabei liegt der Hauptaspekt natürlich in den seit jeher und oftmals bis heute praktizierten Anwendungsmöglichkeiten.

Ganz sicher hilft dieses Buch der Bewahrung uralten Wissens über die Wirkungsweisen und Anwendungen der Pflanzen, von dem schon so viel unwiederbringlich verloren gegangen ist.

Info

  • SCHLAFMOHN, ENGELWURZ UND APHRODITES QUITTEN – Die Pflanzen der Heiligen und Gottheiten, Heilanwendungen und Rezepte
  • Claudia Ritter, Verlag Leopold Stocker, ISBN 978-3-7020-1618-0
  • 160 Seiten, Hardcover, durchgehend farbig bebildert
    Preis 19,90 Euro

Naturgartentage 2017 in Heidelberg

Mehr Natur bitte – Naturnahes Gärtnern und viel mehr

Seit 25 Jahren bietet der Naturgarten e.V. einmal jährlich eine einzigartige Veranstaltung an. Im Januar 2017 werden erneut eine breite Auswahl von vielfältigen Themen rund ums private und öffentliche Grün an vier Tagen in insgesamt 17 Vorträgen und Workshops angeboten. Als regelmäßiger Treffpunkt von Hobbygärtnern und Landschaftsarchitekten, GaLaBauern, Pädagogen und engagierten Laien richtet sich die Tagung sowohl an Vereinsmitglieder als auch an interessierte Gäste.

Die öffentlichen Tage sind unterschiedlichsten Themen gewidmet, von der Frage, wie Außenflächen von Kindergärten aussehen müssen, damit sie für U3 Kinder geeignet sind, bis zur Anlage von Privatgärten:

  • Natur-Erlebnisräume für Kleinkinder: Bauen, Spielelemente, Bepflanzung
  • Nutzgärten: Kulinarische Wildpflanzen, Früchte und alte Gemüsesorten
  • Lebensraum sonniger Gehölzraum: Pflanzen, Tiere, Anlage
  • Heimische und Nichtheimische Wildpflanzen: Futterquellen für Insekten & mehr
  • Naturgärten gestalten: Holz, Wasser, Steine – Sichtachsen anlegen, Materialien, usw.

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Foto: www.naturgartentage.de

Naturgartentage 2017, 19.-22. Januar 2017, Heidelberg

Veranstaltungsflyer Download hier>>>

Alle Vorträge, Workshops und Online-Anmeldung unter www.naturgartentage.de

Imker Praxis – Buchbesprechung

Grundwissen für die Bienenwirtschaft

Wer sich schon immer mal wieder mit dem Gedanken beschäftigt hat, Bienen zu züchten, wird sich sicher auf dem Büchermarkt umgesehen haben. Es gibt viel Literatur zu dem Thema. Nun kommt ein neues Werk hinzu und stiftet weitere Verwirrung, so mag man meinen.

Imkerpraxis Leopold Stocker
Foto: Hans-Peter Muellner

Doch der Imkermeister und Lehrer an einer österreichischen Imkerschule Alois Spanblöchl bietet mit seinem „Grundwissen für die Bienenwirtschaft“ auf nur knapp 170 Seiten eine umfassende Einführung in dieses Thema.

Der Autor möchte möglichst sachlich und sehr gut illustriert die Freude am Umgang mit diesen Nutzinsekten fördern. Den Imkerbünden fehlt es Nachwuchs, und logischerweise gehen damit auch die Zahl der Bienenvölker und Bienen zurück.

Imkerpraxis Leopold Stocker
Foto: NÖ Imkerschule Warth

Das hier zusammengefasste und in leicht verständlicher Form wiedergegebene Basiswissen soll ordnen und nicht abschrecken. Da in letzter Zeit gerade die Stadtimkerei immer mehr Interesse findet, ist ein solides Know How neben dem z.B. von Stadtbienen e.V. entwickelten Equipment eine sinnvolle Grundlage.

Imkerpraxis Leopold Stocker
Foto: NÖ Imkerschule Warth

In dem vorliegenden Buch wird viel wertvolle Erfahrung zusammengefasst und anschaulich präsentiert. Zwar handelt es sich um ein österreichisches Werk, aber die Unterschiede liegen im Grunde nur in ein paar gesetzlichen Vorgaben.

Insgesamt handelt es sich hier um eine sinnvolle, leicht verständliche Hilfe für angehende und ein kleines Nachschlagewerk auch für den schon etwas erfahreneren Imker, aber auf jeden Fall eine gute Orientierungshilfe für jeden, der sich mit dem Gedanken trägt.

Imkerpraxis Leopold Stocker

Info

  • IMKER-PRAXIS
  • Grundwissen für die Bienenwirtschaft
  • Autor Alois Spanblöchl, Verlag Leopold Stocker, ISBN 978-3-7020-1628-9
  • 4. überarbeitete Auflage, 176 Seiten, zahlr. farbige Abbildungen, Tabellen und Skizzen, 16,5 x 22 cm brosch.
  • € 19,90

Baum des Jahres 2017 ist die Fichte

Fichte (Rotfichte) Picea abies

Wenn es neben der Buche und Eiche einen weiteren typischen Baumvertreter in Mitteleuropa zu nennen gibt, ist es die Fichte. Oft mit den Tannen verwechselt ist die typisch-regelmäßige Kegelform gerade auch der älteren Fichten, das Stereotyp für das Weihnachtssymbol schlechthin.

Fichte Baum des Jahres 2017In meiner Kindheit gab es nur die Fichte als duftintensiven Weihnachtsbaum, bis sie von der plastikgleichen, langweiligen Nordmanntanne abgelöst wurde. Allerdings fand man ihre Pracht auch besonders schnell am Fußboden wieder.

Fichtenzapfen sind es, die wir im Wald auf dem Boden finden und Tannenzapfen nennen. Einen Tannenzapfen müssten wir uns schon direkt vom Baum pflücken, da von Ihnen bei Reife nur die Spindel übrigbleibt.

Fichte Baum des Jahres 2017Die Fichtennadeln sind diejenigen, die wir gar nicht mögen, weil sie, spitz und hart, nicht ganz so freundlich und umgänglich zu händeln sind, wie die weicheren, stumpferen Tannennadeln. Auch das Tannennadelschaumbad müsste Fichtennadelschaumbad heißen.

Die jungen, frühjährlichen Austriebe lassen sich gut in Speisen und Getränken in der Küche verwenden. Das wissen auch einige Vertreter von Läusearten, die, von Bienen gemolken, für den dunklen würzigen Waldhonig sorgen.

Fichte Baum des Jahres 2017Alles in allem ist die Fichte eine ursprüngliche heimische Baumart und sicher eine würdige Kandidatin für den „Baum des Jahres“ im nächsten Jahr!

Wer sich eingehender mit den Unterschieden von Fichte und Tanne beschäftigen möchte, findet hier einen guten „Lehrpfad“.

Fichte Baum des Jahres 2017

Landesgartenschau Bad Iburg 2018

Erster Landesgartenschau-Countdown

Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich: Am 18. Oktober waren es noch genau 18 Monate bis zur Eröffnung der Landesgartenschau in Bad Iburg. Monate, in denen noch viel Schönes geschaffen wird!

Geplant ist ab sofort für jeden 18. eines Monats eine Countdown-Veranstaltung, die jeweils die Vorfreude der Iburger auf die Landesgartenschau spiegelt. Gerne nehmen die Initiatoren noch Ideen und Vorschläge entgegen.

Landesgartenschau Bad Iburg 2018
Foto: Imma Schmidt – Kinder der Grundschule am Hagenberg

Besuch bei RosaLotta

Die sechs Mädchen und Jungen stammen aus den 4er-Klassen der Grundschule am Hagenberg. Sie hatten an der Aktion der Schülervertretung mitgewirkt, bei der unter dem Motto „Landesgartenschau für Kinder“ Ideen zu kindgerechten LaGa-Veranstaltungen, zum grünen Klassenzimmer und auch Vorschläge zu Maskottchen erarbeitet wurden.

Sie besuchten, begleitet von ihren Beraterinnen und Lehrerinnen die Kostümwerkstatt von Stefanie Ludwig in Hagen am Teutoburger Wald. Dort entsteht derzeit das Landesgartenschau-Maskottchen RosaLotta nach einem prämierten Entwurf des Iburgers Thomas Oberhoff.

Landesgartenschau Bad Iburg 2018
Foto: Imma Schmidt – Stiefel und Handschuhe von Rosalotta

In großen Plastikkisten liegen fertige Einzelteile der unterschiedlichen Maskottchen, die gerade in Arbeit sind. Blaue Stiefel und pinkfarbene Handschuhe von RosaLotta warten bereits im Regal.

Landesgartenschau Bad Iburg 2018
Foto: Imma Schmidt – fertig gebastelt

Am Ende des Werkstattbesuchs konnten die Kinder sich noch ein kleines Armband basteln – stolz hielten sie es in die Kamera. Und auch die beiden Lehrerinnen waren zufrieden: „Toll, so ein Blick hinter die Kulissen!

Der Waldgarten

Ein innovativer Gartentypus

Die Landschaftsarchitektin Karin Standler verwirklicht Waldgärten im öffentlichen sowie halböffentlichen Bereich. Dieser Gartentypus ist wie geschaffen dafür, neue Standards für zukunftsfähige und nachhaltige Freiraumgestaltungen zu setzen.
Der Waldgarten ist ein ökologischer Freiraumtyp, der sowohl in der Stadt als auch in ländlichen Gemeinden für Grün- und Freiflächen anwendbar ist.

Waldgarten innovativer GartentypusEr eignet sich für die Gestaltung naturnaher Parkanlagen und privater Gärten, für die Neuanlage von Grünzügen und für die Umgestaltung von Wäldern zu essbaren Waldbiotopen.
Die Kombination von Garten und Wald bildet einen vielseitig nutzbaren Freiraum fürNutzerInnen jeder Altersgruppe: zum Aufenthalt, zum Spiel, zum Ernten, zur Erholung.
Zusätzlich zur hohen Aufenthaltsqualität bietet der Waldgarten auch die Möglichkeit der Wissensvermittlung und Bevölkerungsbeteiligung in urban forest gardening Projekten.

Auf diese Weise können die vielen nutzbaren Pflanzen von Wald- und Saum-Lebensräumen entdeckt werden.

Das Konzept Waldgarten ist auf drei Säulen aufgebaut

  1. einzigartige Pflanzenkombinationen und außergewöhnlich hohe Artenvielfalt
  2. mehrstufiger, waldartiger, naturnaher Vegetationsschichtenaufbau
  3. vielfältige Nutzungsmöglichkeiten Das gestalterische Gerüst bildet dabei eine standortgerechte Bepflanzung, die sich durch ihre nachhaltige Nutzbarkeit auszeichnet.

Waldgarten innovativer Gartentypus
Das Fruchtfleisch der Indianerbanane ist cremig und weich. Der Geschmack erinnert an einen Cocktail aus tropischen Früchten. Der Verkostungstisch zeigt die Früchte des Waldgartens.

Die Orientierung am Vegetationsschichtenaufbau eines naturnahen, lichten Waldes und durch die Kombination von Obstbäumen, Wildgehölzen, Beeren und Kräutern wird die Strukturvielfalt des Freiraums erhöht.

Ökologisch hochwertig, pflegeleicht, kostenextensiv

Gehölze werden durch Kletterpflanzen mit essbaren Früchten ergänzt; Pflanzen, die sich für eine medizinische oder technische Nutzung eignen (z.B. Heilkräuter oder Färberpflanzen), runden das Angebot ab.

Unter Berücksichtigung ihrer physiologischen und morphologischen Eigenschaften werden nutzbare Gehölze wie Obstgehölze, Ginkgo, Linde, Baumhasel etc. in unterschiedlichen Wuchshöhen mit Beerensträuchern und Kletterpflanzen so kombiniert, dass sie sich gegenseitig fördern, ergänzen und unterstützen.

Waldgarten innovativer Gartentypus
Der Pilz-Garten zeigt den Reichtum an essbaren „Schwammerln“ und Heilpilzen, die sich ausgezeichnet in Waldgärten anbauen lassen.

Durch die Gestaltung von Sonnenfallen, Saumsituationen und durch Modellierung von Hügel- oder Senkgärten entstehen unterschiedliche Standortbedingungen z.B. für mediterrane Nutzgehölze. Diese kleinklimatischen Nischen schaffen zusätzliche Lebensräume und ermöglichen so eine einzigartige und sehr artenreiche Kombination von Pflanzen.

Die Innovation: Der Waldgarten bietet eine innovative Alternative zu herkömmlichen Garten- und Landschaftsgestaltungen. Als pflegeleichter Park zeichnet er sich vor allem durch seine Langlebigkeit und Nachhaltigkeit aus.

Die extensive, ökologische Pflege und das Zulassen einer naturnahen Dynamik ist auch kostensparend in der Erhaltung. Weitere Vorteile entstehen durch die Gestaltung mit Gehölzen: Sie gleichen Temperaturextreme aus, mildern die Pollen- und Staubelastung durch die Filterwirkung des Blätterdaches ab und befeuchten die Luft.

Die Nutzpflanzen ermöglichen eine regionale Ernte und Wissensvermittlung rund um Kulturpflanzen. Weitere Anknüpfungspunkte zu Zukunftsthemen sind kostenextensive Freiräume und neue Bepflanzungstypen für öffentliche Freiräume.

Idee, Planung und Umsetzung: DI Dr. Karin Standler

Der Garten von Hermann Hesse

Gaienhofen Am Bodensee. Dieser kleine Ort am nordwestlichen Ende auf der Halbinsel Höri mit seinen verwöhnten klimatischen Verhältnissen erscheint an sich nicht so besonders interessant. 2003 sollte hier ein altes Haus abgerissen, und das Grundstück neu überbaut werden. Auch das wirkt nun noch nicht so sensationell.

Der Garten von Hermann Hesse
Foto: Ferd. Graf v. Luckner

Den Namen Hermann Hesse kennt wohl jeder. Gelesen haben ihn Viele. Weltweit zählt er sogar zu den meistgelesenen deutschen Autoren. Die Wenigsten jedoch wissen, dass der berühmte Schriftsteller begeisterter Gartenliebhaber war, jedenfalls eine Zeitlang.

Von der Wiederentdeckung einer verlorenen Welt

Hesse erwarb sich 1907 ein Grundstück. Zusammen mit seiner Frau Mia, plante und begann er anzulegen. So wuchsen Gemüse- und Blumenbeete und nach einer Erweiterung ein Obstgarten und mehr Beete zu einer ansehnlichen Gesamtanlage.

Nun wäre die Anlage nebst Wohnhaus 2003 wohl gänzlich verschwunden, und irgendwann hätte niemand mehr von der Geschichte gewusst, wenn nicht die Autorin des vorliegenden Buches und Bildbandes dieses Schicksal aufgehalten hätte.

Der Garten von Hermann Hesse
hist. Aufnahmen aus dem Buch

Die hier aufgewachsene Eva Eberwein wusste um die Bedeutung und entschied, das Andenken zu bewahren, und so wurden Haus und Grundstück mit seinen verwöhnten klimatischen Verhältnissen gekauft und aufwändig renoviert.

Zusammen mit dem Fotografen Ferdinand Graf von Luckner nimmt die Autorin den Leser mit in die Welt Hermann Hesses und führt ihn, beginnend mit ihrer eigenen Kindheit, Stück für Stück an einzelne Abschnitte und Komponenten des Gartens.

Der Garten von Hermann Hesse
hist. Aufnahmen aus dem Buch, neue Fotos: Ferd. Graf v. Luckner

Einfühlsam und liebevoll werden wir an Orte im Garten und in der Seele des Schriftstellers geführt. Und schnell erkennen wir, wie zwar behutsam aber doch entschieden Eva Eberwein sich an diese schon fast versunkene Welt herangetastet und sie wieder gestaltet hat.

Mit Hesse durch den Schattengarten

„Stets hat es mich gefreut und mir imponiert, mit welcher Zähigkeit meine kleine Buche ihre Blätter festhält (…) Und jetzt, heute, während ich bei sanfter windstiller Wärme bei meinem Fenster stand und Holz brach, sah ich es geschehen: es erhob sich ein leiser sanfter  Windhauch, ein Atemzug nur,  und zu Hunderten und Tausenden wehten die so lang gesparten Blätter dahin (…) „

Der Garten von Hermann Hesse
hist. Aufnahmen aus dem Buch, neue Fotos: Ferd. Graf v. Luckner

Es ist ein Erlebnis, sowohl für den literarisch, als auch den garteninteressierten Leser sich durch „Schattengarten“ und „Kastanienplatz“, vorbei an „Dunghaufen“ und „Grenzhecke“ durch diese Welt zu tasten und sie zu entdecken.

Es macht Freude, sich sein eigenes Bild zu schaffen, geführt von den Worten der Autorin, den eingestreuten Gedanken Hesses, den vielen historischen Aufnahmen und den sensiblen Fotografien Luckners.

Der Garten von Hermann HesseFazit

Man könnte sagen, es sei eine Hommage, aber das würde es nicht eigentlich treffen. Das Buch ist viel mehr. Es ist z.B. die Verbindung zwischen der Welt Herman Hesses, und zwar genau dieser kleinen Welt vor mehr als 100 Jahren hier am Bodensee und der heutigen Welt einer gartenbegeisterten Autorin. Es ist z.B. auch die gelungene Liebeserklärung an eine besondere Landschaft, ihrer Menschen und die Annäherung an den Charakter eines nach dem Paradies suchenden Hermann Hesse. Und es ist ganz sicher ein lesenswertes, gelungenes Buch.

Info

  • DER GARTEN VON HERMANN HESSE – Von der Wiederentdeckung einer verlorenen Welt
  • Autorin Eva Eberwein, Fotos: Ferd. Graf v. Luckner, Okt. 2016
  • Verlagsgruppe Random House; DVA, ISBN 978-3-421-04034-3
  • Gebundenes Buch, Pappband, ca. 160 Seiten, 23,0 x 25,0 cm
    Mit 103 Farbfotos, 23 s/w-Fotos und 10 Plänen
  • Preis: 29,99 Euro

Zierapfel nur Zierapfel?

Es gibt etwa 35 verschiedene Wildapfelarten, verteilt über Asien und Europa. Aus ihnen wurden zahlreiche Hybriden gezüchtet, die oft als Ziergehölze in Parks und Gärten auftauchen.

Zuallererst sollen sie durch die Pracht ihrer Blüten und Früchte einen optischen Nutzen haben. Dass sie jedoch durchaus auch kulinarisch interessant sein können, wissen die wenigsten ihrer Besitzer. Daher enden die Früchte oft auf dem Kompost oder dienen im besseren Fall Wildtierarten als willkommenes Herbstnahrungsmittel.

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Prächtiger Zierapfel, gezeigt von Anne Glazenburg-Markus

Doch auch Moste und Apfelweine, sowie Schnäpse, Marmeladen, Kompott und Gelees können durch die Verwendung der meist kleinen Früchtchen gewinnen, auch wenn es durch die Gerbstoffe Unterschiede in der Bekömmlichkeit gibt. Es lohnt sich also durchaus, die schönen Herbstboten auch mal zu probieren.

Wer zu dem Thema mehr wissen möchte, findet weitere Informationen in dieser „Enzyklopädie der Wildobst- und seltenen Obstarten

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In ganzer herbstlicher Pracht, Zierapfel aus dem Garten von Hedwig Weerts

Wildobst – Buchtipp

Schlehe, Hagebutte und Co. für meinen Garten

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagDieses informative Buch, das gleichzeitig ein wunderschöner Bildband ist, beschäftigt sich mit den naturnahen Gärten und beschreibt eine große Zahl nicht so unbedingt geläufiger Obstarten, die bei Vielen als solche so langsam in Vergessenheit zu geraten drohen. Zwar weiß man, dass es die Hagebutten und die Ebereschen gibt, aber nur Wenige wissen sie als Obst zu nutzen und noch weniger setzen sie als Gestaltungselemente in den Gärten ein.

Im Gegenteil, sie werden, wenn sie sich als Sämlinge in unsere sauberen und aufgeräumten Flächen verirren, sofort und gnadenlos ausgerissen. Vielleicht fallen uns diese oft unscheinbaren heimischen „Exoten“ erst wieder auf, wenn wir im Überschwang der Urlaubsgefühle ein paar Gläser mit den Produkten von Sanddorn oder Holunder als garantiert naturrein und selten am Straßenrand der Feriengebiete erwerben.

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagWildobst und Garten

Die Autorin beginnt mit der Erläuterung des Zusammenhanges von Wildobst und Naturgarten, sie führt uns so in diese Welt dieser fruchttragenden Gehölze ein, die nicht nur oft schön, sondern vor allem wertvoll sind.

  • Wertvoll für Bienen und andere Insekten, die oftmals an das Vorkommen dieser Pflanzen gebunden sind und so langsam mit ihnen auch verschwinden.
  • Wertvoll für die Vögel und Kleinsäuger, die bei ihnen wertvolle Nahrung auch dann noch finden, wenn sonst alles abgeerntet ist.
  • Wertvoll für unsere Landschaften, die ohne sie immer ärmer in ihrem Erscheinungsbild werden.
  • Und schließlich wertvoll für den Menschen, denen sie oft schon seit vielen Jahrhunderten zur Nahrungsergänzung und als Medizin dienen.

Ina Sperl erläutert die Planung, Anlage und besonders die Pflege von naturnahen und Wildobstgärten, die dann nicht nur pflegeleichter werden, sondern sich auch noch wohltuend vom immer weiter um sich greifenden „Charme“ der keimfreien, lebensfeindlichen Kiesgärten abheben. Und sie stellt uns die leckeren Möglichkeiten vor, die uns die Wildobstarten als Belohnung zur Verfügung stellen.

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagUnbekannte Küchenschätze

Einige Wildobstarten gelangen auch zu ungeahnten Ehren, machen Karriere als „Superfood“, wie Aronia oder Goji, allerdings erst dann, wenn sie verarbeitet und bunt verpackt im Regal stehen und von einem oberschlauen Superkoch mit bayerischem Akzent als seine neueste Entdeckung vermarktet werden. Doch alle Wildobstarten sind Kraft- und Nährstoffgiganten.

Selbst Leser, die glauben, schon alles über die Früchtchen zu wissen werden auf Erstaunliches, auf Neues stoßen und sich fragen, „ja warum habe ich das nicht schon früher gewusst?“ Die Autorin weist auch auf die Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Pflanzen mit „Doppelgängern“ hin, die einen Genuss auch zu einer Gefahr oder zumindest einer schlechten Erfahrung werden lassen können.

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagArtenbeschreibungen

Dann schließt sich der schönste Teil, das Highlight des Buches an. Die zweite Hälfte ist der umfangreiche Katalog der „40 besten Wildobstarten“. Tolle, sehr gut charakterisierende Fotos, begleitet von sehr detailreichen Beschreibungen, Nutzungsvarianten und einer ausgefuchsten Systematik bringen dem Leser die Früchtchen näher.

Man bekommt wirklich Lust, sofort mit offenen Augen nicht nur die Wegesränder, sondern auch die Siedlungen zu durchstreifen, denn einige Vertreter dieser Obstsorten findet man schon als ganz normale und anscheinend sehr vertraute Gestaltungsgehölze in der Nachbarschaft, oder im nächsten Park. Wer weiß schon, dass auch die Mahonie, die Kartoffelrose oder die Zierquitte unsere Küchen bereichern können.

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagServiceteil

Den Abschluss des Buches bildet ein informativ übersichtlicher Blüh- und Erntekalender in dem Serviceteil, der auch Begriffserklärungen, ein Stichwortverzeichnis, weiterführende Literaturtipps und vor allem eine kleine Liste von Bezugsquellen enthält.

Fazit

Das vorliegende Buch ist ein rundum gelungenes, zugleich wunderschönes Werk, dass für jede Gartenbibliothek aber auch für Wanderer und Naturfreunde eine höchstinformative Bereicherung darstellt.

Info