Archiv der Kategorie: Botanik

Stechapfel – Datura stramonium

Obwohl schon bei Hildegard von Bingen erwähnt ist der weiße/gemeine Stechapfel in Mitteleuropa/Deutschland erst seit der Entdeckung der neuen Welt heimisch und stammt wohl aus Nordamerika. Die kräuterkundige Nonne sprach nach übereinstimmenden Quellen wohl eher vom Indischen Stechapfel.

Stechapfel_thorn-apple-ephraimstochterIn früheren Zeiten durchaus für verschiedene Anwendungen gegen Asthma, als Aphrodisiakum angewandt, gehört der gemeine oder weiße Stechapfel wohl eher in die Kategorie der Drogen. Seinen Alkaloiden werden eintrübende, Bewusstsein trübende und lähmende Wirkungen nachgesagt, die durchaus erhebliches tödliches Potential enthalten.

Stechapfel_daturaSein Erscheinungsbild ist als buschiger, mit seinen auffällig gezackten mittelgroßen Blättern und weißen, trompetenförmigen Blüten durchaus attraktiv. Allerdings öffnen sich die Blüten aufgrund der Lebensweise ihrer Bestäuber erst in den Abendstunden. Die auffälligen Samenkapseln sind ein weiterer Hingucker, erinnern sie doch stark an die Früchte der Kastanien. Herangereift öffnen sie sich sternförmig und geben viele schwarze Samen frei.

Stechapfel_datura-binghamdiDatura stramonium, so sein botanischer Name, zählt sich zu den Nachtschattengewächsen und wächst auf nährstoffreichen Böden sehr buschig bis zu einer Höhe von gut einem Meter und darüber heran.

Fundstück der Woche – Chinarinde

Sozusagen auf den letzten Drücker hier mein Fundstück der Woche. Reinhardt’s „Kulturgeschichte der Nutzpflanzen“ erwies sich einmal mehr als Fundgrube. Dort fand ich die Aufnahme einer Plantage des Chinabaums Cinchona und die dazugehörige Geschichte der Pflanze. Mit den Grafiken aus dem „Handatlas sämmtlicher medicinisch-pharmaceutischer Gewächse“ von 1876 bildet dieses Fundstück die Grundlage des heutigen Artikels.

Cinchona officinalis, der gelbe Chinarindenbaum

stammt nicht wie man vermuten könnte aus China, sondern aus den Südamerikanischen Anden. Bei den Inkas hieß die Rinde Quina (gesprochen: Kina) was soviel bedeutet wie gute Rinde. Den Baum nannten sie Quinaquina. Den spanischen Erobereren gaben sie das Geheimnis des Baumes zunächst nicht Preis. Erst 1630 gelang es einem Jesuiten sich das Vertrauen der Indios zu erschleichen und Kenntnis von der Wirkung dieser Baumrinde zu erhalten. Als die Ehefrau des Peruanischen Vizekönigs, Anna de Cinchon, 1638 an einem hartnäckigen Wechselfieber erkrankte, soll sie mittels der Chinarinde von einem Jesuitenpater geheilt worden sein. Zu Ehren der Anna de Cinchon benannte Carl von Linné die Art 1742 mit Cinchon. Wegen Ihrer Bedeutung wurde der diese wichtige Heilpflanze sogar in das Wappen Perus aufgenommen.

Der Wirkstoff des Baumes, das Chinin ist das wohl bekannteste Heilmittel gegen die Malaria. Es wirkt krampflösend, fiebersenkend und schmerzstilend. Nachdem es 1820 von Pierre Joseph Pelletier und Joseph Bienaimé Caventou durch Extraktion mit Alkohol aus der Chinarinde isoliert werden konnte, bauten die Kolonialmächte den Chinabaum flächig in ihren Kolonien an.  So machten es dann auch die Deutschen in ihrer kurzen Kolonialzeit in Ostafrika. Das Chinin war ein so bedeutender Wirkstoff, dass solche Plantagen sogar zum Ziel militärischer Angriffe wurden. Die Japaner zerstörten zum Beispiel auf Java 20000 Hektar an Chinarindenplantagen.

Cinchona officinalis
Cinchona officinalis

Das „Gräfinnenpulver“ gelangte  durch die Jesuiten, die damit einen einträglichen Handel betrieben, bereits 1640 nach Spanien. Sie waren so geschäftstüchtig, dass das Heilmittel in Spanien als „polvo de los jesuitos“  – Jesuitenpulver bezeichnet wurde. Dabei ist es durchaus möglich, dass die Geschichte um die Heilung der Gräfin Anna de Cinchon eine glatte Fälschung aus Marketinggründen ist. In ihren später gefundenen Tagebuchaufzeichnungen finden sich nämlich merkwürdigerweise keine Hinweise auf eine schwere Fiebererkrankung.

Cinchona succirubra
Cinchona succirubra auf Java

Jedenfalls schaffte es Spanien mit seiner 1503 in Sevilla gegründeten „casa de contractio de Indias“ auch den weltweiten Handel mit Chinarinde zu monopolisieren.  Es ließen sich über Jahrhunderte einträgliche Geschäfte mit dem Pulver machen. Wegen des hohen Preises kamen jedoch nur die Reichen und Herrschenden in den Genuss des Mittels. 1699 kostete ein Quentchen (= 1,66 g) in Leipzig 50 Kreuzer, was dem zwölffachen Preis des Opiums entsprach.

Eine „goldene Nase“ verdiente sich mit dem Pulver auch der englische Arzt Robert Talbot als er 1679 Ludwig XIV. für 2000 Louisdor und eine Leibrente mit seinem Mittel „Arcanum“ von der Malaria heilte. So verwundert es kaum dass man schon früh Anbauversuche mit anderen Arten von Cinchona unternahm. Nicht alle Arten enthalten jedoch ausreichende Mengen des Wirkstoffes. Im großen Geschäft mit der Pflanze auf der Strecke blieben, wie so oft,  ihre eigentlichen Entdecker:  die Indios Südamerikas.

Violen – stiefmütterlich behandelt

Ich gebe gerne zu, dass mir selbst das Stiefmütterchen als Landschaftsgärtner nie so besonders am Herzen lag. Als ich aber heute diese zierlichen Sorten sah, kam ich dann doch ins Grübeln. In den grauer werdenden Tagen können uns die Stiefmütterchen mit ihren leuchtenden Farben vielleicht ja doch unterbewusst aufmuntern. Ihr Name allein ist ja schon fast eine Diffamierung. Was gleichermaßen für die Stiefmütter gilt. Theodor Storm hat das wilde Stiefmütterchen „Viola tricolor“ sogar zum Titel einer Novelle gemacht, in der es um die Schwierigkeiten im Verhältnis von Stiefmutter und Stieftochter geht.  Seine eigenen Erfahrungen sind dort sicher mit eingeflossen.

Ähnlich wie in der Geschichte sehe ich das Stiefmütterchen heute auch mit anderen Augen. wobei ich zugeben muss, das mir die wilden und die  bescheidenen kleinblumigen, Hornveilchen genannten, fast besser gefallen, als die etwas aufdringlicheren großblumigen. Aber das ist reine Sache des Geschmacks, und über den ist bekanntlich nicht zu streiten.  Nur schade, dass sie nach ihrer Blüte schon sehr bald ihr Leben wieder aushauchen bzw. unansehnlich werden.

unbekannte Schönheit

Manchmal entdeckt man wirklich besondere Pflanzen, so wie hier in „Nachbars Garten“ Noch nie gesehen und nicht einmal eine Ahnung, um welche Exotin es sich hier handelt. Das sie eine solche sein muss, ist eigentlich klar. Die Spitzen der Blütenblätter, sofern es welche sind, erinnerten mich an die Köpfe kleiner Seepferdchen. Wahrscheinlich zuviel Fantasie. Vielleicht weiß ja einer von Euch mehr darüber? Aber ganz egal wie sie heißt, sie ist ein kleiner Hingucker – die unbekannte Schönheit.

Ein Lob auf das Social Net – sie ist enttarnt: Leonotis nepetifolia oder Löwenohr (Löwenschwanz) heißt sie und kommt vom südlichen afrikanischen Kontinent.

Neu auf dem Speiseplan

Für die Insektenwelt ändert sich gerade der Speiseplan. Mit dem Verblühen  etwa der Disteln steht schon der Rainfarn bereit um für ein neues Nahrungsangebot zu sorgen. Auch im Garten sollte eine abwechslungsreiche Blütenfolge eingeplant werden. Allzu gern läßt man sich bei der Umgestaltung von Beeten von den aktuell blühenden Stauden verführen.