Ölrettich

Ein Wildacker wird zum Politikum

In meiner Heimatstadt Dinklage droht ein Stück Wildacker zum Politikum zu werden. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass sich am Ende die politischen Lager unversöhnlich gegenüberstehen, der Bürgermeister ratlos, und die Kardinal von Galen Stiftung mindestens „not amused“ ist.  Die Entwicklung im Bereich des Dinklager Burgwaldes ist mir natürlich nicht gleichgültig, verzeihen Sie mir bitte für dieses Mal die ungewöhnliche Länge des Beitrages und die doch sehr persönliche Einschätzung der Lage.

Das Streitobjekt ist eine von den Bahler Jägern mit einer Wildacker/Blühstreifenmischung eingesäten Fläche am Rande des Dinklager Burgwalds.  Die Kardinal von Galen Stiftung unter ihrem Vorsitzenden Clemens August Krapp hat angedacht auf einem Teil dieser Fläche Parkplätze für vornehmlich ältere Besucher der Ausstellung zu schaffen. Nun muss man wissen, dass am anderen Ende der Burgallee ein relativ großer, allerdings nicht besonders gut befestigter Parkplatz zur Verfügung steht.

Für Gehbehinderte ließen sich sicher auch an anderer Stelle ein paar wenige Parkplätze in der Nähe der Wassermühle schaffen. Eine akzeptable Wendemöglichkeit für Busse zu schaffen, sollte ebenfalls möglich sein ohne das Ensemble aus Burg, alter Wassermühle, Kapelle und Ökonomie empfindlich zu stören. Hier ist Kreativität gefordert.

Nun kann man der Kardinal von Galen Stiftung mit Sicherheit nicht vorwerfen, dass sie das Landschaftsbild rücksichtslos beeinträchtigen möchte, um Massen an Besuchern unterbringen zu können. Zumal sie sich um das Gesamtbild der Burganlage  mit der Sanierung der alten Wassermühle sehr verdient gemacht hat. Die Fähigkeit der Stiftung, hierzu öffentliche Mittel nach Dinklage zu holen, stände übrigens auch unserem Bürgermeister gut zu Gesicht.

Der Standort des angedachten Parkplatzes liegt allerdings an dem kläglichen Rest des traditionellen Prozessionsweges, der früher das Gemeindegebiet mit der Burg verband. Heute ist dieser Weg ein sehr schöner und gern genutzter Verbindungsweg von der angrenzenden Wohnsiedlung zur Burg und ist aus landschaftspflegerischer Sicht also in seiner jetzigen Form sicher erhaltungswürdig. Die Freiflächen entlang des Weges stellen einen guten Puffer zwischen Burgwald und Wohnsiedlung dar. Zuviele dieser Pufferflächen entlang des Waldes und innerhalb der Siedlung sind in früheren Zeiten bereits von der finanziell in ziemlicher Schieflage befindlichen Gemeinde versilbert worden.

Was mich jedoch aktuell besonders interessiert hat, war die Frage, wie wertvoll diese Fläche aufgrund ihres aktuellen Pflanzenbestandes tatsächlich ist. Zwar kann ich aufgrund einer Momentaufnahme  die Fläche sicher nicht hinreichend bewerten. Dennoch war das Ergebnis meiner Beobachtung ziemlich enttäuschend. Die Fläche ist vom Pflanzenbestand wohl besser als nichts, aber doch relativ artenarm. Dem Betrachter fallen zunächst  die Sonnenblumen und vielleicht noch der Buchweizen auf.  Aufgrund meiner Beobachtungen und der Beschilderung konnte ich die eingesäte Mischung relativ genau identifizieren.

Es handelt sich wohl um die Saatgutmischung LG Sand der Firma Agravis mit folgender Zusammensetzung:

  • 45 % Hafer
  • 25 % Buchweizen
  • 10 % Sonnenblumen
  • 7 % Markstammkohl
  • 5 % Senf
  • 5 % Futterraps
  • 3 % Ölrettich

Eine ganz hübsche Zusammensetzung, die aber haupsächlich dem jagdbaren Wild dient. Der auf dem Schild vollmundig angekündigte Nutzen für Zauneidechsen und andere Arten dürfte sich mit einer solche Einssat eher nicht erreichen lassen. Für eine naturnahe Flächengestaltung kenne ich deutlich artenreichere Mischungen. Allzu weit ist diese Fläche von einer Monokultur jedenfalls nicht entfernt.  Bezeichnend ist die Empfehlung des Herstellers, Flächen vor der Einsaat gründlich mit Glyphosphat (Round up) totzuspritzen. Und so sah die Fläche für mich dann auch aus. Fremdgräser und Fremdkräuter gab es nur an den Rändern.

Bestimmt war die Anlage des Blühstreifens von den verantwortlichen Bahler Jägern gut gemeint, beraten hat man sie aber wohl eher schlecht.  Für die Zukunft der Fläche ist hier also noch „viel Luft nach oben“.

Vielleicht ist aber gerade das ein möglicher Ansatzpunkt, den Konflikt zwischen Besucherfreundlichkeit  und Natur zu lösen: Es gibt eine Menge an Möglichkeiten im Bereich des Burgwaldes etwas für die Natur zu tun. Auch die Wiederbelebung des unter Wassermangel und Eutrophierung leidenden Burggrabens zähle ich hierzu.  Ein Wende- und Halteplatz für Busse und ein paar Parkplätze ließen sich übrigens auch noch dichter an der Wassermühle schaffen:  Ein kleines abgeholztes Waldstück  (für Ortskundige: links vor der Nepomukbrücke) böte sich da vielleicht an.

Bei nüchterner Betrachtung sind die zu überwindenden Gräben sicher nicht so tief wie sie scheinen. Vielleicht schafft es dann das regionale Presseorgan sogar einmal seine in der Regel tendenziell  negative Berichterstattung über Dinklage etwas  zu versachlichen.

4 Gedanken zu „Ein Wildacker wird zum Politikum“

  1. Ich frage mich manchmal, ob die Zuständigen willens und offen dafür sind, jemanden, der sich sehr genau mit den örtlichen Gegebenheiten auseinandergesetzt hat, der – wie du jetzt – diverse Umstände und Zustände tiefergehend geprüft hat und eventuell sogar neue Vorschläge für Lösungen einbringen könnte – ob sie trotz aller gegenseitigen Animositäten und eines gewissen Gewinnwunsches bereit wären, sich mit neuen Wegen und Möglichkeiten zu beschäftigen.
    So häufig wird auf Altem beharrt und störrisch die einmal angedachte Planung verteidigt und sogar – wider besseren Wissens – auch bei erkanntermaßen falscher Einschätzung der Lage stur beibehalten!
    Das war jetzt ein etwas verschachtelter Satz, doch ich hoffe es kommt noch durch, was ich sagen wollte.
    Ich finde es wirklich lobenswert, dass du dich dieser Angelegenheit vor deiner Tür annimmst! Ich bin allerdings auch sehr gespannt auf den Fortgang.

    LG Michèle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.