Rasengeschichte(n) -1

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Die Ansprüche an Rasenflächen sind so unterschiedlich wie ihre Besitzer. Um am Ende das Ergebnis zu erhalten, das man sich wünscht, ist einiges nötig. Schon bei der Anlage einer Rasenfläche können später schwer zu reparierende Fehler gemacht werden. Das Thema  Rasen ist ein so weites Feld, dass hierzu wohl einige Artikel zu schreiben sind. Unterhaltsames und Geschichtliches soll neben den praktischen Ratschlägen dabei nicht zu kurz kommen.

Wie alles begann

Bereits im 17. Jahrhundert, als im damaligen Jet-Set aus Königen und Adligen schicke Gartenanlagen ziemlich angesagt waren, mussten die Gartengestalter sich etwas einfallen lassen, um so etwas wie einen „ordentlichen“ Rasen anzulegen. So erfanden sie kurzerhand den Rollrasen. Personal stand ja reichlich zur Verfügung. Die leibeigenen Bauern wurden zum Plaggenstechen auf ausgesuchten Flächen verdonnert, während der Auftraggeber auf das Lustwandeln wartete.  Ob diese Maßnahmen ursächlich dafür waren, dass der ein oder andere Adelige kurze Zeit später den Kopf verlor, ist nicht belegt.

Jedenfalls wendete der Stararchitekt Peter Joseph Lenné  in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein anderes Verfahren an, dass in England und Frankreich schon mit Erfolg eingesetzt wurde. Als Lenné den Auftrag zur Gestaltung des Berliner Tiergartens erhielt, ließ er Reste des Heudrusches zusammenfegen und einsäen.

Fortan war  „Berliner Tiergarten“ der Ausdruck für Qualitätsrasen schlechthin. Bis heute hat sich dieser Begriff für Rasenmischungen erhalten. Allerdings hat der heutige „Berliner Tiergarten“ nur noch wenig mit Qualität gemein und ist vielfach zur Billigmischung verkommen.  Er sagt nämlich überhaupt nichts über den Inhalt der Mischung aus, da der  Begriff nicht geschützt ist. Es gibt selbstverständlich auch noch gute Tiergartenmischungen. Welche Mischung allerdings brauchbar ist, kann der Laie fast nicht erkennen. Zwar muss die Zusammensetzung auf einem 10 kg Sack laut Saatgutverkehrsgesetz aufgedruckt sein, welche Gräsersorte aber gut ist und welche bestenfalls als Futtergras zu gebrauchen ist, geht daraus nicht hervor. Selbst für Fachleute ist dies bei der großen Zahl an Gräsersorten nicht erkennbar. Sie müssten sich dazu schon in der aktuellen FLL- Sortenliste über die Bewertung der einzelnen Gräsersorten informieren.

Einziger Hinweis ist, dass die  Anbieter von Billigstmischungen vermeiden, das Wort Rasen zu erwähnen. Auf den Packungen heißt es dann „Berliner Tiergarten“ und irgendwo am Rand: „für Begrünungszwecke“.

Heute ist der „Berliner Tiergarten“ daher oft das, was er am Anfang seiner Geschichte war: Heudrusch.

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