Knollenbegonie

Sommerblumen

Ich gebe zu, dass mein Verhältnis zu  Sommerblumen etwas gespalten ist. Dass das den meisten Landschaftsgärtnern so geht, wusste während der Lehre auch ein Ausbilder, der sich redlich bemühte, uns Arten und Verwendung von Sommerblumen nahezubringen. Mit seiner Aussage: „Sobald eine Pflanze empfindlicher als ein Pflasterstein ist, ist sie für die Hände von Landschaftsgärtnern nicht geeignet“  hatte er es sich auf dem Pflanzenlehrgang allerdings gleich mit uns verscherzt. Wir ließen diesen Kursteil gelangweilt über uns ergehen und er hatte es geschafft, dass wir das Thema innerlich abgehakt hatten. Diese Abneigung setzte sich auch auf der Meisterschule fort.  „Bluzis“ wie die Zierpflanzengärtner von uns genannt wurden  und die Landschafter waren ohnehin  seit jeher wie 2 ungleiche Zwillinge. Aber dennoch ist der Mai nunmal  die Zeit der Sommerblumen. Mit dem Ende der Eisheiligen ziehen sie  in leuchtenden Farben in die Gärten ein. Auch für Balkonkästen und Kübel sind diese Dauerblüher nahezu alternativlos.  Mittlerweile finde ich es schon etwas bedauerlich, wenn sie mehr und mehr aus Kosten- und Zeitgründen aus dem Straßenbild verschwinden, signalisieren sie doch  Freundlichkeit und Liebe zum Garten. Einen  Ausdruck  von Spießigkeit , den ich in Ihnen  noch als junger Gärtner sah, haben sie sicher nicht. Man muss nur einmal mit einem  älteren Zierpflanzengärtner sprechen, der sie mit Leidenschaft kultiviert. Gelingt ihm eine Kultur gut bekommt er zu Recht leuchtende Augen. Bei manch einem stellt sich während der Verkaufszeit sogar eine gewisse Traurigkeit ein, wenn sich die bunten Gewächshaustische wider leeren und er die Kinder, die er groß gezogen hat  ziehen lassen muss.  Leider kennt die moderne Massenproduktion diese gärtnerische Leidenschaft kaum noch.   Mir jedenfalls wird sie mit dem Verschwinden der  kleinen Blumen- und  Zierpflanzenbaubetriebe fehlen.

4 Gedanken zu „Sommerblumen“

  1. Seid einigen Jahren habe ich angefangen Einjährige/Zweijährige selber zu ziehen, um dann in meinen Beeten ein schönes Plätzchen für sie zu finden. Das macht mir jedes Jahr mehr Freude, insgesamt kümmere ich mich so um 1000 Sämlinge, das sind aber nicht nur Blumen. Wenn ich im Winter so mein Saatgut bestelle, kann ich mich kaum bremsen, die Auswahl ist so groß, und ich pflanze nicht die herkömmlichen Blumen, die es so zu kaufen gibt. Es gibt zauberhafte Wildblumen und viele Raritäten. So sieht mein Garten jedes Jahr etwas anders aus und ich habe auch die Möglichkeit für die schwierigen Standorte so nach und nach das richtige raus zu filtern. lg Marlies

  2. In meiner Nähe gibt es einen großen Wochenmarkt, der zwar so heißt, doch fast täglich stattfindet. Hierher kommen viele Gärtner aus den Vierlanden, der Elbmarsch, dem Alten Land etc. Das sind oft noch diese Kleinbetriebe, die (Sommer-)Blumen und Zierpflanzen anbauen – manchmal in Kombination mit Nutzpflanzen. Sehr oft Familienunternehmen, die das seit Generationen tun. Manche Standbetreiber kenne ich seit über 20 Jahren, und es sind solche, die mit Herzblut ihre Zucht hegen und pflegen und viel Zeit investieren.
    Sie kommen alle in die Jahre, die Eigner. Und sie stöhnen über die Entwicklung, die Preise, die Dumpingangebote aus irgendwelchen Märkten, die einige Pflanzen aus Massenanzucht sowie günstige Importware vertreiben.
    Es wäre wirklich sehr traurig, wenn sie (nicht nur irgendwann aus Altersgründen, sondern schon vorher) aufgeben müssten. Denn ich habe immer den Eindruck, man merkt den Pflanzen (genauso wie essbaren Produkten) an, auf welche Art sie großgeworden sind. Ob Herzblut dabei war.
    Ich bin auch kein Fan von allen Sommerblumen, die üblicherweise angeboten werden. Manche Farben sind zu schrill, manche besondere Zucht übertrieben großblütig oder so gefüllt, dass überhaupt kein Insekt mehr Interesse hat. Doch es gibt immer noch sehr schöne Exemplare und Sorten, die Stauden wunderbar ergänzen und selbst im Balkonkasten eher filigran, luftig und natürlich wirken. Ich glaube, heutzutage ist für jeden etwas dabei. Noch! Sollten irgendwann nur noch Gartenabteilungen in Baumärkten ein mickriges Einheitsprogramm anbieten, sieht das natürlich anders aus.

    LG Michèle

    1. Du sprichst nmir aus der Seele ! Mag die feineren und weniger protzigen Arten auch lieber. Ich komme beruflich viel in der Gartenbranche herum und sehe tagtäglich, dass die Familienbetriebe ihre Produktion sei es von Baumschul- oder Zierpflanzen oder den Blumenladen schließen und sich stärker im GaLaBau engagieren. Der Produktionsgartenbau konzentriert sich mehr und mehr auf einige Großbetriebe. Vermarktet wird dann über Baumärkte,sehr große Gartencenter und Handelsketten. Offenbar will der Verbraucher es so. Das Problem ist, dass die kleinen Betriebe in der Vermarktung nicht mithalten können. Der Preis ist dabei nicht einmal das große Problem. Schaut man genau hin, ist das Preis- Leistungsverhältnis der kleinen und mittleren Betriebe oft deutlich besser als im Baumarkt.
      LG Frank

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