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Das Kraut der schönen Mädchen

Ruta graveolens Weinraute
Ruta graveolens – Weinraute

Die Weinraute

Um manche Pflanzen und manches Kraut ranken sich die sonderbarsten Geschichten, besonders wenn sie schon lange von Menschen als  Kulturpflanze genutzt werden. Ein solcher Fall ist die Weinraute. Schon die Römer der Antike kannten und nutzten sie. Auch in vorchristlicher Zeit war sie im nahen Osten bekannt und wird daher heute in einigen Bibelgärten gezeigt.

Gewürz und Schutz

Ursprünglich als Gewürzpflanze zur besseren Verdauung den Speisen beigegeben, glaubte man  schon bald noch weitere Wirkungen erkannt zu haben.  Bei Kolikschmerzen sollte sie helfen und Ihre Einnahme wurde Männern empfohlen, die vor Liebe blind waren. Die Weinraute würde ihre Sehkraft und ihre Sinne schärfen. So würde es Ihnen leichter fallen sich von ihrer Angebeteten zu trennen.

Der griechische Sophist Aelianus gar wusste um 180 nach Christus zu berichten, dass  die Wiesel Rautenblätter fraßen, um im Kampf gegen Schlangen bestehen zu können.  Also rieb man sich Füße und Waden mit dem übelriechenden Kraut ein, um selbst gegen Schlangenbisse gefeit zu sein.

Gegen Viehzeug und böse Geister

Die Insekten abwehrende  Wirkung  der Raute hatte man bereits erkannt, daher band man sich ab dem Mittelalter Rautenzweige um den Hals. Denn was gegen Ungeziefer half, musste schließlich auch böse Geister abwehren. Ähnlich mögen wohl die Mönche gedacht haben, die ihre Schwierigkeiten mit dem Keuschheitsgelübde hatten. Sie nutzten das Kraut um ihre Triebhaftkeit einzudämmen.

Das Kraut als Pestmittel

Als dann die Pestzüge Europa heimsuchten, sah man in der Weinraute auch hier zusammen mit anderen Kräutern ein Allheilmittel, wohl durchaus mit Erfolg. Solcherlei Wirkung ließ einige Unholde nicht untätig bleiben. Auf Essigbasis stellten sie ein Gebräu aus Weinraute, Lavendel, Salbei, Thymian und Rosmarin her, rieben sich damit ein und drangen in die Häuser von Pesttoten ein, um sie auszuplündern. Als man sie erwischte, sollen die vier Diebe in dem anschließenden Prozess gegen Preisgabe der Rezeptur freigekommen sein. Der Vierdiebe-Essig war erfunden. Diese Geschichte soll sich um 1630 im französischen Toulon zugetragen haben.

herbe la  belle fille

Einem anderen Umstand hat die Weinraute ihren Spitznamen „Kraut der schönen Mädchen“ zu verdanken. Entstanden ist er ebenfalls in Frankreich als „herbe à la belle fille „.  So sehr lange soll es noch nicht her sein, dass in Paris eine Pflanzung von Rauten mit einem Eisengitter eingezäunt werden musste. Die Rauten wurden nämlich regelmäßig von „schönen Mädchen“ geplündert, die sich in eben diesen Umständen befanden.

Der Genuss der Weinraute hat nämlich erwiesener Maßen nicht nur abführende Wirkung, sondern kann bei Schwangeren leicht zu Fehlgeburten führen, was die schönen Mädchen des horizontalen Gewerbes zu nutzen wussten.

Christines Garten (8) Erlebnisse

Christine stellt uns wieder einen Garten vor:

In den letzten Tagen traf sie eine gartenbegeisterte Frau, die den Garten ihres Bauernhofes mit viel Liebe und großer Freude an Dekoration gestaltet hat. Mit leuchtenden Augen zeigte diese freundliche Frau ihre ganze lebendig überbordende Gartenvielfalt. Und sie zeigt ganz bewusst auch uns, dass aus jeder Ecke die Freude am Wachsen und Gestalten strahlt, und so ein ganz besonderer Bauerngarten entstanden ist.

„Wenn wir das Wunder einer einzigen Blume klar sehen könnten, würde sich unser ganzes Leben ändern.“  (Buddha)

Familienausflug und Bauerngärten

Unser heutiger Familienausflug führte uns auf einstimmigen Beschluss unserer Kids ins Museumsdorf  Cloppenburg. Ich muss zugeben, dass ich selbst überrascht über ihre Wahl war und schwöre, dass ich in keiner Weise versucht habe, Einfluss auf ihre Entscheidung zu nehmen. Wenn sich aber Kinder in so unterschiedlichem Alter wie meine  für das Museumsdorf begeistern können, obwohl oder gerade weil sie dort schon öfter waren, zeigt das doch wie interessant diese Anlage immer noch ist.

Ein Ausflug dorthin ist zudem gerade für vielköpfige Familien ein sehr preiswertes Vergnügen und ganz nebenbei fielen auch noch ein paar Aufnahmen für das Gartennetzwerk dabei ab. Natürlich habe ich diesmal mein Augenmerk auf die unterschiedlichen Bauerngärten gerichtet, die rund um die Häuser angelegt sind.

Die Gärten im Museumsdorf Cloppenburg sind nicht zu Unrecht Bestandteil der von den Tourismusverbänden des Oldenburger Münsterlandes herausgebrachten Visiten Touren. Das parkartig angelegt Gelände lädt zudem gerade jetzt zu kleinen Spaziergängen ein.

Das Thema Bauerngärten wird hier später noch ausführlicher zu behandeln sein, denn den Bauerngarten gibt es meines Erachtens nicht. Zwar kommen einige typische Pflanzen wie Hortensien, Funkien oder Stockrosen häufig in Bauerngärten vor, doch auch hier gibt es regionale Unterschiede. Zum anderen ist natürlich die  historische Epoche des Entstehens von Bedeutung.

Der entscheidende Unterschied ist aber die soziale und wirtschaftliche Stellung des Hofbesitzers: Handelt es sich um ein Gut oder einen Herrensitz, einen großen Hof oder um eine Heuer- oder Siedlerstelle? Je größer der Hof und der Rang des Hofbesitzers, desto mehr Raum nehmen formale und gestalterische Elemente, wie in Form geschnittene  Eiben (Taxus baccata) oder Buchsbaumhecken oder auch Staudenrabatten ein.

Bei den Landarbeitern, Heuerleuten und kleinen Siedlern überwiegt dagegen der Nutzgartenanteil. Was heute zum Livestyle avanciert (ohne dies abwerten zu wollen) und innerhalb der bewussten  Ernährung eine Renaissance erlebt, war in der bäuerlichen Kulturgeschichte eine Notwendigkeit, um die Familie ernähren zu können. Landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung gingen ineinander über. Die Hühner im Garten, die Gemüsebeete oder die Obstwiese besserten die schmale Kost auf.  Schließlich nahmen die Kosten für Nahrungsmittel, gemessen am damaligen Lohn, einen viel höheren Anteil als heute ein.

Nicht zu vergessen ist, dass dem Heuermann zur eigenen Bewirtschaftung meist ertragsarme Landstücke überlassen wurden. Für die Neusiedler auf ehemaligem Markengrund gilt gleiches. Das Land musste also in mühseliger Arbeit erst urbar gemacht werden. Wo die Gartenarbeit heute ein Ausgleich für stressbeladene Büroarbeit ist, war sie vor hundert und mehr Jahren schwere körperliche Arbeit.