Schlagwort-Archive: Buchbesprechung

Mein Garten – ein Geben und Nehmen

Helga Urban Ulmer Verlag GartenbuchEnergie und Therapie

Der Garten als Therapieort und Energiequelle, Garten als Ursprung von Freude und Ruhe, das ist die eigentliche Botschaft, die die Autorin Helga Urban dem Leser nahe bringen möchte.

Im Gegensatz zu vielen Gartenbüchern, die  Anleitung zu einer erfolgreichen Gestaltung und Bewirtschaftung geben möchten, rückt die Autorin ihre eigenen Empfindungen, ihre Erlebnisse in den Vordergrund.

Helga Urban Ulmer Verlag Gartenbuch
© Marion Nickig aus „Mein Garten. Ein Geben und Nehmen“, Verlag E. Ulme

Garten – eine Persönlichkeit

Helga Urban gibt dem Garten eine eigene Seele, mit der sie eine Verbindung eingegangen ist und aus dessen Kraft sie ihre eigene schöpft. Diese Wechselbeziehung sieht sie als die eigentliche Kraft, die eine gestaltete Natur hervorbringt. Und dass diese Beziehung nicht nur Harmonie und Gleichklang, sondern oft genug auch Kampf und Unverständnis beinhaltet, verschweigt sie dabei auch nicht.

Lange Erfahrung

Durch dreißig Gartenjahre führt uns die bekannte Autorin und Vortragsreisende und nimmt uns dabei mit in ihre ganz persönliche Erfahrenswelt. Sie beginnt mit den holperigen Starterlebnissen und den unvermeidlichen Rückschlägen, sowie ihrer großen Leidenschaft für die Farbe Weiß und die Kamelien.

Immer begegnen wir den Pflanzen der Gärtnerin als eigenen Persönlichkeiten, als Geschöpfen mit ganz speziellen Bedürfnissen und Vorlieben. Genauso begegnen wir auch denen der Autorin, die solches in einer erfrischenden Offenheit und mit großem Humor immer wieder beschreibt.

Helga Urban Ulmer Verlag Gartenbuch
© Marion Nickig aus „Mein Garten. Ein Geben und Nehmen“, Verlag E. Ulme

Auf und ab

In jedem der vielen Kapitel dieser fantastischen Verknüpfung wird die Liebe und Leidenschaft, der Sinn für Schönheit und Natur, der Wille zu Gestalten und der Wunsch nach Erlebnissen für die Seele deutlich.

Zwar verspricht auch Helga Urban nicht das mühen- und sorgenfreie Gartenleben nach der Lektüre ihres Buches, aber ihre Erfahrungen, Ihre Rückschläge und Erfolge sollen Lust auf den eigenen Weg machen.

Aber sie verspricht, dass es sich lohnt, sich auf diesen Weg zu begeben. „Willst Du ein Leben glücklich sein, so schaff Dir einen Garten“, zitiert sie ein chinesisches Sprichwort. Und auch für diejenigen von uns, die sich Gedanken machen ob es sich noch lohnt, einen Garten anzulegen, hat sie ein Wort aus Uganda: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.

Helga Urban Ulmer Verlag Gartenbuch
© Marion Nickig aus „Mein Garten. Ein Geben und Nehmen“, Verlag E. Ulme

Fazit

„Mein Garten, ein Geben und Nehmen“ ist ein schön bebildertes Buch das sich zwischen einer Lebensgeschichte und einem Ratgeber bewegt und sich fast wie ein Roman liest. Damit hat Helga Urban etwas Neues gewagt – es ist ihr gelungen!

Info

  • Mein Garten – Ein Geben und Nehmen
  • Helga Urban, erschienen 2015
  • 188 Seiten, 27 Farbfotos, gebunden
  • ISBN 978-3-8001-1277-7
  • Preis 17,90 Euro, EBook 13,99 Euro

Meine kleine Farm – Buchtipp

Unsere kleine Farm

war der Titel der zuckersüßen Familiensaga aus dem ländlichen Kansas der Amerikanischen Gründerzeit.

Die Neuerscheinung Meine kleine Farm der beiden Autoren Miriam und Peter Wohlleben befindet sich in der Eifel des 21. Jahrhunderts, und anders als im wilden Westen wird hier nicht über das heile Familienleben berichtet. In ungewöhnlich üppigen Umfang werden die Freuden und Leiden eines Forstwirt-Ehepaares dargestellt, die sich inzwischen neben ihrem Berufsleben weitestgehend von den eigenen Flächen selbst versorgen.

Damit sind sie das Beispiel in einer Zeit, in der die Versorgung aus dem eigenen, dem gepachteten oder geliehenen Gartens vor allem in den Ballungsräumen immer populärer wird.

Anschauliches Farmerleben

Das 270 Seiten umfassende Buch teilt sich in fünf große Kapitel auf: Der Einleitungsteil stellt die grundsätzlichen Fragen nach Zeitaufwand Flächenmöglichkeiten. Er zählt die zu erwartenden Schwierigkeiten und Grundsätze bei der Bodennutzung und -bearbeitung auf und stellt das notwendige Equipment vor.

Der erste Hauptteil befasst sich mit der Produktion von „Grünzeug“. Ausführlich werden die Grundnahrungsmittel, das Gemüse und das Obst behandelt. Das Kapitel schließt mit den Gewürzkräutern, den essbaren Gartenschönheiten und exotischem Obst.

Genauso ausführlich wird die Haltung von Kleinvieh und Geflügel von der Aufzucht, der Futterbeschaffung und der Schlachtung im zweiten Hauptteil behandelt. Selbst wenn sich an diesem Kapitel vielfach die Geister scheiden, so ist doch wertvoll, sich wieder einmal vor Augen führen zu lassen, was Fleischkonsum eben auch bedeutet.

Umfangreich wird auch die Vorratshaltung mit den verschiedenen Formen und Techniken der Konservierung vorgestellt. Als Clou findet sogar die Alkoholherstellung als eine Form der Verwertung Beachtung.

Ein kurzer Ausflug in die Beschaffung der Grundlagen wie Wasser und Energie und zum Naturschutz schließt das Buch vor dem Serviceanhang mit einer Reihe interessanter Adressen und Literaturempfehlungen ab.

Nebenerwerbslandwirt

So nannte man in meiner Südoldenburger Heimat früher diese Form der Versorgung von der eigenen Scholle.

In allen Kapiteln begegnet der Leser dem immensen Erfahrungsschatz aus über 25 Jahren praktizierter Selbstversorgung mit allen Erfolgen und Rückschlägen. Drastisch und deutlich werden die Freuden und Leiden, der Genuss und die Anstrengung, die diesem vorausgeht, beschrieben und mit ausdrucksstarken Fotos begleitet.

Jeder kann aus diesem Werk die Informationen für sich ziehen, die seinen eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten im Großen wie im Kleinen entsprechen.

meine kleine Farm, Ulmer VerlagFazit

Ein ansprechendes, lesenswertes und in allem sehr informatives Buch, ein Leitfaden für jeden, das sich im eigenen oder gepachteten Garten eine Alternative für die Versorgung aus den Supermarktregalen schaffen möchte.

Info

  • Meine kleine Farm. – Anleitung für Selbstversorger
  • Miriam Wohlleben, Peter Wohlleben
  • Gebunden, 272 Seiten, 260 Farbfotos
  • 2015, Eugen Ulmer KG
  • ISBN 978-3-8001-8394-4. € 29,90 (E-book € 22,99)

Buchtipp – Enzyklopädie der Wildobstarten

NACHTRAG: Dieses Buch hat es am vergangenen Wochenende beim DEUTSCHEN GARTENBUCHPREIS 2016 auf den ersten Platz in der Kategorie „Bester Ratgeber“ geschafft.

NACHTRAG2: von der DGG (Deutsche Gartenbau-Gesellschaft) unter die Top-5-Gartenbücher gewählt!

Umfangreiches Nachschlagewerk

Der Leopold Stocker Verlag und der Leiter der Abteilung Gehölzkunde und Baumschulwesen an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Wien Schönbrunn, Helmut Pirc haben ein sehr umfangreiches Werk mit der Enzyklopädie der Wildobst- und seltenen Obstarten zusammengestellt.

Mehr als 200 Arten, sowohl heimischer als auch exotischer Herkunft werden hier auf rund 400 Seiten vorgestellt und charakterisiert. Allen gemeinsam ist, dass sie sich auch im heimischen Garten ziehen lassen.

Holunder und Schlehen sind den meisten Gartenbesitzern geläufig, auch noch Berberitze und Wacholder, aber wer kennt die Büffelbeere, die Ölweide, die Butternuss, die Essigrose, den Blauschotenstrauch?

Auch solche Exoten, wie die Indianerbanane, Türkische Haselnuss, Granatapfel, Goji-Beere und die Feige werden vorgestellt. Alle Obstarten werden mit Abbildungen und ihren wichtigsten Sorten bezüglich Wuchs, Blüte, Früchten und Standortansprüchen im Detail beschrieben. Die für Köche und Leckerschmecker wichtigen Hinweise auf fast vergessene Geschmackserlebnisse oder eine gesundheitsbewusste Ernährung kommen nicht zu kurz.

Überraschend

Auf vielen Seiten erlebt der interessierte Leser das berühmte „Ahaa?“  „Ach ne.“ „Das wusste ich gar nicht.“ Dieses Nachschlagewerk ist mir inzwischen unentbehrlich geworden, und mir fallen immer wieder Arten ein, von denen ich schon immer wissen wollte, ob sie verwertbar sind. Bisher wurde ich nicht enttäuscht und konnte wertvolle Informationen sowohl über unseren Norddeutschen Dünendorn, als auch über die Österreichischen Dirndlstrauch in diesem Werk finden.

Kritik

Mir persönlich fehlt ein Register mit den Deutschen Namen. Zwar sind alle Arten im Inhaltverzeichnis genannt, und durch ein Lateinisches Register ergänzt, ein Verzeichnis der Volks- und umgangssprachlichen Namen wäre jedoch sehr hilfreich. Ein kurzer Tipp: Lassen Sie sich den Lateinischen Namen durch eine kurze Suche im Internet präsentieren!

Fazit

Die ENZYKLOPÄDIE DER WILDOBST- & SELTENEN OBSTARTEN ist ein rundum gelungenes Werk und sollte in keinem Bücherregal des interessierten Natur- oder Gartenfreundes fehlen. Die Arten sind umfangreich und gut bebildert beschrieben.

Enzyklopädie Wildobst StockerInfo

  • ISBN 978-3-7020-1515-2
  • Helmut Pirc
  • Verlag Leopold Stocker
  • 416 Seiten, durchgehend farbig bebildert, Hardcover
  • 39,90 Euro