Schlagwort-Archive: Gartenbaugeschichte

Ohrwürmer

Für gewöhnlich gelten Ohrwürmer heute als Nützlinge, da sie sich zum Teil auch von Blattläusen und deren Eiern ernähren. Das war jedoch nicht immer so.

Dass besonders  Gärtner, die Nelken kultivierten, unter ihrer Vorliebe für diese Gewächse zu leiden hatten, beweist ein Artikel aus dem Neuen Hannoverschen Magazin von 1810. Der gewöhnliche Ohrwurm nämlich ernährt sich nicht nur von tierischer, sondern auch von pflanzlicher Nahrung. Also sann der findige Gärtner auf eine Methode, diese Plagegeister effektiv und kostengünstig  in Schach zu halten.

Die Methode, einen Baumwolllappen mit einem Gemisch aus Nelkenöl und Honig in einem Reisigbesen zu drapieren, war jedoch letztlich nichts anderes als eine Lockfalle. Nicht anders verhielt es sich mit der Empfehlung, Stücke aus Schilfrohr in eine  teilweise mit Wasser gefüllte Weinflasche zu stecken. Diese Falle musste dann regelmäßig überprüft werden.  Die sich im Schilf ansammelnden Ohrenkneifer mittels Durchpustens im Wasser der Flasche zu ersäufen, würde wohl heute den ein oder anderen Tierschützer auf den Plan rufen.

Wie sich die Zeiten ändern, zeigt auch die namens gebende Nutzung der Ohrwürmer in der Antike. Zur Behandlung von Ohrenkrankheiten sollen zu jener Zeit Extrakte aus zerstoßenen Ohrwürmern hergestellt worden sein. Dass die dämmerungs- und nachtaktiven Ohrenkneifer mit ihre Zangen Menschen in die Ohren zwicken oder Ihnen gefährlich werden können, ist ein reines Ammenmärchen. Daher sollten wir uns heute eher über ihre Hilfe und Teil der biologischen Schädlingsbekämpfung beispielsweise gegen Blattläuse freuen.

Auch wenn wir sie im Obst vorfinden, müssen wir uns keine Sorgen machen, dass Ohrwürmer das Obst schädigen würden. Sie selbst bedienen sich nämlich nur an zuvor von anderen Insekten angefressenen Früchten.

Rasengeschichte(n) -1

rasen1

Die Ansprüche an Rasenflächen sind so unterschiedlich wie ihre Besitzer. Um am Ende das Ergebnis zu erhalten, das man sich wünscht, ist einiges nötig. Schon bei der Anlage einer Rasenfläche können später schwer zu reparierende Fehler gemacht werden. Das Thema  Rasen ist ein so weites Feld, dass hierzu wohl einige Artikel zu schreiben sind. Unterhaltsames und Geschichtliches soll neben den praktischen Ratschlägen dabei nicht zu kurz kommen.

Wie alles begann

Bereits im 17. Jahrhundert, als im damaligen Jet-Set aus Königen und Adligen schicke Gartenanlagen ziemlich angesagt waren, mussten die Gartengestalter sich etwas einfallen lassen, um so etwas wie einen „ordentlichen“ Rasen anzulegen. So erfanden sie kurzerhand den Rollrasen. Personal stand ja reichlich zur Verfügung. Die leibeigenen Bauern wurden zum Plaggenstechen auf ausgesuchten Flächen verdonnert, während der Auftraggeber auf das Lustwandeln wartete.  Ob diese Maßnahmen ursächlich dafür waren, dass der ein oder andere Adelige kurze Zeit später den Kopf verlor, ist nicht belegt.

Jedenfalls wendete der Stararchitekt Peter Joseph Lenné  in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein anderes Verfahren an, dass in England und Frankreich schon mit Erfolg eingesetzt wurde. Als Lenné den Auftrag zur Gestaltung des Berliner Tiergartens erhielt, ließ er Reste des Heudrusches zusammenfegen und einsäen.

Fortan war  „Berliner Tiergarten“ der Ausdruck für Qualitätsrasen schlechthin. Bis heute hat sich dieser Begriff für Rasenmischungen erhalten. Allerdings hat der heutige „Berliner Tiergarten“ nur noch wenig mit Qualität gemein und ist vielfach zur Billigmischung verkommen.  Er sagt nämlich überhaupt nichts über den Inhalt der Mischung aus, da der  Begriff nicht geschützt ist. Es gibt selbstverständlich auch noch gute Tiergartenmischungen. Welche Mischung allerdings brauchbar ist, kann der Laie fast nicht erkennen. Zwar muss die Zusammensetzung auf einem 10 kg Sack laut Saatgutverkehrsgesetz aufgedruckt sein, welche Gräsersorte aber gut ist und welche bestenfalls als Futtergras zu gebrauchen ist, geht daraus nicht hervor. Selbst für Fachleute ist dies bei der großen Zahl an Gräsersorten nicht erkennbar. Sie müssten sich dazu schon in der aktuellen FLL- Sortenliste über die Bewertung der einzelnen Gräsersorten informieren.

Einziger Hinweis ist, dass die  Anbieter von Billigstmischungen vermeiden, das Wort Rasen zu erwähnen. Auf den Packungen heißt es dann „Berliner Tiergarten“ und irgendwo am Rand: „für Begrünungszwecke“.

Heute ist der „Berliner Tiergarten“ daher oft das, was er am Anfang seiner Geschichte war: Heudrusch.

Die Kartoffel, eine dolle Knolle

Kartoffel

Vielen Kindern vielleicht nur in Stäbchenform als Pommes bekannt oder in Chipsform vereinnahmt,  hat die Kartoffel doch einiges mehr zu bieten. Ursprünglich wegen ihrer interessanten Blüte als Zierpflanze in Europa eingeführt und nur wenig wegen ihres  eigentlichen Nutzens angebaut, verhalf der kunstsinnige Gartenliebhaber Friedrich der Große ihr zum Durchbruch und machte sie damit zum preussischsten aller Gemüse.

Der alte Fuchs soll Kartoffelfelder zum Schein von seinen Soldaten bewacht haben lassen, um die skeptischen Bauern neugierig zu machen. Denn nach dem Motto  „wat dei Bur nich kennt, dat frett hei nich“ hatten sie sich zuvor geweigert Kartoffeln anzubauen.  So dumm war dass allerdings von den Landmännern auch nicht, schließlich sind die grünen Teile der Kartoffel sehr giftig.   Sein Plan ging auf, die Bauern stahlen die Kartoffeln  und und die „Pommes Fritz“ war geboren.

Heute aber ist das längst Geschichte. Der Kartoffelsalat darf auf keinem Grillabend fehlen, Bratkartoffeln mit Spiegelei, früher ein Arme-Leute-Essen ist schon fast eine Delikatesse. Als Kroketten, Rösti, Pellkartoffeln, Kartoffelknödel, Reibekuchen usw. stehen reichlich Varianten zur Verfügung.

Besonders begehrt sind natürlich die „neuen“ ganz frischen Kartoffeln. Meine persönlichen Favoriten sind die ganz kleinen, durchs Raster gefallenen „Schweinekartoffeln“. Die dünne Schicht unterhalb der Schale ist schließlich die geschmacklich intensivste.

Der Begriff Schweinekartoffeln kommt übrigens daher, dass sie  im Schweintopf, in dem auch die Schalen landeten, gekocht wurden und als Futter fürs Borstenvieh dienten. Selbst Für die im Hause lebende Oma war es zu mühsam diese Winzlinge von Hand zu schälen, obwohl das neben dem Stricken von Socken oft ihre Hauptaufgabe im Haushalt war.

Die Frage „Was kosten die Kartoffel in diesem Jahr ?“ beschäftigte manche Hausfrau, war es doch üblich, einen guten Vorrat einzukellern.  Die Zeiten haben sich in diesem Punkt doch gründlich geändert. Die Gastronomie bedient sich industriell geschälter Kartoffeln und im Big Business von Monsanto und Co. bleiben alte Kultursorten wie Linda auf der Strecke. Der Erdapfel ist zum Zankapfel geworden.

Auch bei der Neuanlage eines Gartens spielte die Kartoffel eine nicht unbedeutende Rolle. Um den Boden aufzuschließen wurden, nachdem der Hausbau vollendet war, noch bis Anfang der 70er Jahre  im ersten Jahr nämlich zunächst Kartoffeln angebaut, auch wenn der Garten später überwiegend als Ziergarten genutzt werden sollte.

Eine kleine Kuriosität am Rande ist noch, dass man aus der Kartoffel eine wahrhaft eierlegende Wollmilchsau machen kann. Als Nachtschattengewächs ist sie nämlich mit der Tomate verwandt. Veredelt man nun einen Tomatentrieb auf die Kartoffelpflanze, bildet die Pflanze im Boden Kartoffelknollen und oberirdisch reifen die Tomaten.

Gruga Essen, Ein Park mit Geschichte (1)

Auf eine lange Geschichte zurückblicken kann der Grugapark in Essen. Auf einer Brachfläche mitten im Revier entstand hier ab 1927 ein bis dahin einzigartiger Volkspark. In schwerer Zeit  wurde hier über ein Arbeitslosenprojekt ein botanischer Garten angelegt, der das Messegelände mit Gartenausstellungen  aufwerten sollte.  Im Juni 1929 endlich konnte bei strahlendem Sonnenschein die „Große Ruhrländische Gartenausstellung“ eröffnet werden – daher der Name Gruga.

Das gute Wetter hielt 100 Tage und so sprach man in Essen von Grugawetter.  Die nationalsozialistische Zwangsherrschaft bescherte dem Park zunächst eine Verdoppelung seiner Fläche, dann die „2. Reichsausstellung des deutschen Gartenbaus“ die Ausnutzung für die Nazi- Ideologie und schließlich die fast vollständige Zerstörung durch den von den Nazis angezettelten Weltkrieg.

1950 begann dann der Wiederaufbau. Abermals war es eine Ausstellung, diesmal die „2. Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung“ die der Motor für den Park war.  Zur Bundesgartenschau 1965 erfolgte dann die Erweiterung auf die heutige Größe von 70 ha.

Somit ist der Grugapark in Essen ein positives Beispiel, wie aus einer Industriebrache, motiviert durch große Ausstellungen ein Erholungspark für die städtische Bevölkerung enstanden ist.

Die nachbearbeiteten Fotos in der Galerie stammen aus einem Album meines Vaters, Gärtnermeister wie ich.  Sie wurden im Mai 1958 dort von ihm aufgenommen. Mit der Grugapark verbindet mich daher auch meine eigene Familiengeschichte.

Fortsetzung folgt…