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Montagsgedicht

Liriodendron tulipifera

Nach längerer Pause heute mal wieder ein Gedicht zum Wochenauftakt. Wir wünschen allen eine angenehme Woche.

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)

Bedauerniss

 

Bedauerniss

Ach, dass vieler Blumen Namen

Mir so unbekannt!

Viele stehn schon bald in Samen,

Die ich nie genannt,

Und doch möchte‘ ich all der Lust,

Die enthüllt der Erde Brust,

All der Schönheit, unvermessen,

Auch im Kleinen nie vergessen.

Gedicht von Karl Mayer

In dieser Bildersammlung einmal mehr einige Pflanzen, die ich in diesem Sommer zum erstenmal gesehen habe oder deren Sortennamen ich noch nicht kannte. manche davon finden bestimmt demnächst noch ihre Berücksichtigung im Pflanzenlexikon.


	

Arm Kräutchen

Arm Kräutchen

Sauerampfer

Ein Sauerampfer auf dem Damm
stand zwischen Bahngeleisen,
machte vor jedem D-Zug stramm,
sah viele Menschen reisen.

Und stand verstaubt und schluckte Qualm,
schwindsüchtig und verloren,
ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahen.
Der arme Sauerampfer
sah Eisenbahn um Eisenbahn,
sah niemals einen Dampfer.

Von Joachim Ringelnatz

Gedicht zum Montag (3)

Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraut, Giebt geheimen Sinn zu kosten, Wie's den Wissenden erbaut, Ist es Ein lebendig Wesen, Das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, Daß man sie als Eines kennt? Solche Frage zu erwidern, Fand ich wohl den rechten Sinn, Fühlst du nicht an meinen Liedern, Daß ich Eins und doppelt bin? Johann Wolfgang von Goethe 1815

Gingo Biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe 1815