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Ohrwürmer

Für gewöhnlich gelten Ohrwürmer heute als Nützlinge, da sie sich zum Teil auch von Blattläusen und deren Eiern ernähren. Das war jedoch nicht immer so.

Dass besonders  Gärtner, die Nelken kultivierten, unter ihrer Vorliebe für diese Gewächse zu leiden hatten, beweist ein Artikel aus dem Neuen Hannoverschen Magazin von 1810. Der gewöhnliche Ohrwurm nämlich ernährt sich nicht nur von tierischer, sondern auch von pflanzlicher Nahrung. Also sann der findige Gärtner auf eine Methode, diese Plagegeister effektiv und kostengünstig  in Schach zu halten.

Die Methode, einen Baumwolllappen mit einem Gemisch aus Nelkenöl und Honig in einem Reisigbesen zu drapieren, war jedoch letztlich nichts anderes als eine Lockfalle. Nicht anders verhielt es sich mit der Empfehlung, Stücke aus Schilfrohr in eine  teilweise mit Wasser gefüllte Weinflasche zu stecken. Diese Falle musste dann regelmäßig überprüft werden.  Die sich im Schilf ansammelnden Ohrenkneifer mittels Durchpustens im Wasser der Flasche zu ersäufen, würde wohl heute den ein oder anderen Tierschützer auf den Plan rufen.

Wie sich die Zeiten ändern, zeigt auch die namens gebende Nutzung der Ohrwürmer in der Antike. Zur Behandlung von Ohrenkrankheiten sollen zu jener Zeit Extrakte aus zerstoßenen Ohrwürmern hergestellt worden sein. Dass die dämmerungs- und nachtaktiven Ohrenkneifer mit ihre Zangen Menschen in die Ohren zwicken oder Ihnen gefährlich werden können, ist ein reines Ammenmärchen. Daher sollten wir uns heute eher über ihre Hilfe und Teil der biologischen Schädlingsbekämpfung beispielsweise gegen Blattläuse freuen.

Auch wenn wir sie im Obst vorfinden, müssen wir uns keine Sorgen machen, dass Ohrwürmer das Obst schädigen würden. Sie selbst bedienen sich nämlich nur an zuvor von anderen Insekten angefressenen Früchten.