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Avant Gardening – Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern

Ulmer Verlag Avant Gardening Matschiess

Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern

„Anders ist es nicht zu erklären, dass sich ausgerechnet Gartenbesitzer mit schweren, nährstoffreichen und undurchlässigen Böden einen leichten, mediterranen Garten oder eine Steppenpräriebepflanzung wünschen, um damit auch nach immenser Bodenaufbereitung regelmäßig zu scheitern.“ (Zitat)

Es gehört schon ein wenig Mut dazu, sich von der gewohnten Sitte, den Garten anzulegen, zu lösen und den hier favorisierten Weg zu gehen.

Ulmer Verlag Avant Gardening Matschiess

Die „Schläfer“ wecken

Was wie die Bedienungsanleitung für eine terroristische Karriere klingt, ist nichts anderes, als sich bequem zurückzulehnen und abzuwarten, was der vorhandene Boden an pflanzlichen Überraschungen verbirgt und freigibt, wenn man ihm die Chance dazu lässt.

Diese Haltung stellt dem üblichen Gartenbau-Aktivismus, der von Anfang die Gestaltung als Vergewaltigung der vorherrschenden Lebens- und Wachstumsbedingungen betreibt eine laissez faire Haltung gegenüber.

Ulmer Verlag Avant Gardening Matschiess

Kenntnis der lokalen Bedingungen

Daraus lässt sich leicht ablesen, was die lokalen Bedingungen befördern oder erschweren bis verhindern.

„Beobachtet den Boden und die vorherrschenden klimatischen Verhältnisse und wählt danach Eure Bepflanzung!“ oder „Im Garten gegen die Natur zu handeln, artet halt regelmäßig in Arbeit aus.“ Sind einige der Sätze, die ebenso Mut machen wie einleuchten.

Der Autor belegt seine Weisheiten mit seinen Erfahrungen im eigenen Garten, den er am Niederrhein neu angelegt hat.

Er stellt klar und verständlich die Zusammenhänge zwischen dem Wissen um die Standortverhältnisse und einer gelungenen, pflegeleichten und sinnvollen Bepflanzung dar.

Im weiteren Verlauf werden die Differenzierungen immer feiner, immer abgestimmter und so entsteht eine eigene Landschaft, die solcherart mit der Natur erwachsen, sich dauerhaft und widerstandsfähig entfaltet.

Ulmer Verlag Avant Gardening Matschiess

Ökologie

Und auch der immer mehr in den Fokus geratende Aspekt der Ökologie auch der „kleinen“ Gärten kommt nicht zu kurz.

Dass diese Auffassung auch noch in höchstem Maße ökologisch ist, ergibt sich schon fast von selbst. Matschiess bricht immer wieder den Stab für die so ungeliebten und verrufenen Gewächse, die, richtig eingesetzt, doch überraschend viele positive Seiten zeigen.

Angesichts von Bienen- und Hummelsterben bekommt diese Sichtweise auf den Garten eine neue besonders eindringliche Bedeutung. Der zunehmende Trend, die Gärten durch den massenhaften Einsatz von Kiesen und Steinen tot zu gestalten und zur Verödung ganzer Straßenzüge beizutragen, wird durch dieses Werk in besonderem Maße ad absurdum gestellt und mit sinnvollen pflegeleichten Alternativen beschämt.

Sehr umfangreich und informativ sind die überraschend vielen Abschnitte/Kapitel gestaltet. Einen Aspekt nach dem anderen wird leicht nachvollziehbar und mit tollen Fotos begleitet betrachtet und immer wieder in den Zusammenhang zu pflegeleichten und gleichzeitig attraktiven Gärten gestellt.

Ulmer Verlag Avant Gardening Matschiess

Fazit

Das Buch mit dem pfiffig konstruierten Titel  ist ein im hohen Maße mutmachender Wegweiser, der seine Aussagen immer mit eigenen Gestaltungsbeispielen belegt. Der Autor weiß, wovon er schreibt und der bekannte Gartenfotograf Jürgen Becker setzt diese Avantgarde-Sichtweisen  wie immer gekonnt in Szene.

Info:

Der Waldgarten

Ein innovativer Gartentypus

Die Landschaftsarchitektin Karin Standler verwirklicht Waldgärten im öffentlichen sowie halböffentlichen Bereich. Dieser Gartentypus ist wie geschaffen dafür, neue Standards für zukunftsfähige und nachhaltige Freiraumgestaltungen zu setzen.
Der Waldgarten ist ein ökologischer Freiraumtyp, der sowohl in der Stadt als auch in ländlichen Gemeinden für Grün- und Freiflächen anwendbar ist.

Waldgarten innovativer GartentypusEr eignet sich für die Gestaltung naturnaher Parkanlagen und privater Gärten, für die Neuanlage von Grünzügen und für die Umgestaltung von Wäldern zu essbaren Waldbiotopen.
Die Kombination von Garten und Wald bildet einen vielseitig nutzbaren Freiraum fürNutzerInnen jeder Altersgruppe: zum Aufenthalt, zum Spiel, zum Ernten, zur Erholung.
Zusätzlich zur hohen Aufenthaltsqualität bietet der Waldgarten auch die Möglichkeit der Wissensvermittlung und Bevölkerungsbeteiligung in urban forest gardening Projekten.

Auf diese Weise können die vielen nutzbaren Pflanzen von Wald- und Saum-Lebensräumen entdeckt werden.

Das Konzept Waldgarten ist auf drei Säulen aufgebaut

  1. einzigartige Pflanzenkombinationen und außergewöhnlich hohe Artenvielfalt
  2. mehrstufiger, waldartiger, naturnaher Vegetationsschichtenaufbau
  3. vielfältige Nutzungsmöglichkeiten Das gestalterische Gerüst bildet dabei eine standortgerechte Bepflanzung, die sich durch ihre nachhaltige Nutzbarkeit auszeichnet.

Waldgarten innovativer Gartentypus
Das Fruchtfleisch der Indianerbanane ist cremig und weich. Der Geschmack erinnert an einen Cocktail aus tropischen Früchten. Der Verkostungstisch zeigt die Früchte des Waldgartens.

Die Orientierung am Vegetationsschichtenaufbau eines naturnahen, lichten Waldes und durch die Kombination von Obstbäumen, Wildgehölzen, Beeren und Kräutern wird die Strukturvielfalt des Freiraums erhöht.

Ökologisch hochwertig, pflegeleicht, kostenextensiv

Gehölze werden durch Kletterpflanzen mit essbaren Früchten ergänzt; Pflanzen, die sich für eine medizinische oder technische Nutzung eignen (z.B. Heilkräuter oder Färberpflanzen), runden das Angebot ab.

Unter Berücksichtigung ihrer physiologischen und morphologischen Eigenschaften werden nutzbare Gehölze wie Obstgehölze, Ginkgo, Linde, Baumhasel etc. in unterschiedlichen Wuchshöhen mit Beerensträuchern und Kletterpflanzen so kombiniert, dass sie sich gegenseitig fördern, ergänzen und unterstützen.

Waldgarten innovativer Gartentypus
Der Pilz-Garten zeigt den Reichtum an essbaren „Schwammerln“ und Heilpilzen, die sich ausgezeichnet in Waldgärten anbauen lassen.

Durch die Gestaltung von Sonnenfallen, Saumsituationen und durch Modellierung von Hügel- oder Senkgärten entstehen unterschiedliche Standortbedingungen z.B. für mediterrane Nutzgehölze. Diese kleinklimatischen Nischen schaffen zusätzliche Lebensräume und ermöglichen so eine einzigartige und sehr artenreiche Kombination von Pflanzen.

Die Innovation: Der Waldgarten bietet eine innovative Alternative zu herkömmlichen Garten- und Landschaftsgestaltungen. Als pflegeleichter Park zeichnet er sich vor allem durch seine Langlebigkeit und Nachhaltigkeit aus.

Die extensive, ökologische Pflege und das Zulassen einer naturnahen Dynamik ist auch kostensparend in der Erhaltung. Weitere Vorteile entstehen durch die Gestaltung mit Gehölzen: Sie gleichen Temperaturextreme aus, mildern die Pollen- und Staubelastung durch die Filterwirkung des Blätterdaches ab und befeuchten die Luft.

Die Nutzpflanzen ermöglichen eine regionale Ernte und Wissensvermittlung rund um Kulturpflanzen. Weitere Anknüpfungspunkte zu Zukunftsthemen sind kostenextensive Freiräume und neue Bepflanzungstypen für öffentliche Freiräume.

Idee, Planung und Umsetzung: DI Dr. Karin Standler