Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer Verlag

Wildobst – Buchtipp

Schlehe, Hagebutte und Co. für meinen Garten

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagDieses informative Buch, das gleichzeitig ein wunderschöner Bildband ist, beschäftigt sich mit den naturnahen Gärten und beschreibt eine große Zahl nicht so unbedingt geläufiger Obstarten, die bei Vielen als solche so langsam in Vergessenheit zu geraten drohen. Zwar weiß man, dass es die Hagebutten und die Ebereschen gibt, aber nur Wenige wissen sie als Obst zu nutzen und noch weniger setzen sie als Gestaltungselemente in den Gärten ein.

Im Gegenteil, sie werden, wenn sie sich als Sämlinge in unsere sauberen und aufgeräumten Flächen verirren, sofort und gnadenlos ausgerissen. Vielleicht fallen uns diese oft unscheinbaren heimischen „Exoten“ erst wieder auf, wenn wir im Überschwang der Urlaubsgefühle ein paar Gläser mit den Produkten von Sanddorn oder Holunder als garantiert naturrein und selten am Straßenrand der Feriengebiete erwerben.

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagWildobst und Garten

Die Autorin beginnt mit der Erläuterung des Zusammenhanges von Wildobst und Naturgarten, sie führt uns so in diese Welt dieser fruchttragenden Gehölze ein, die nicht nur oft schön, sondern vor allem wertvoll sind.

  • Wertvoll für Bienen und andere Insekten, die oftmals an das Vorkommen dieser Pflanzen gebunden sind und so langsam mit ihnen auch verschwinden.
  • Wertvoll für die Vögel und Kleinsäuger, die bei ihnen wertvolle Nahrung auch dann noch finden, wenn sonst alles abgeerntet ist.
  • Wertvoll für unsere Landschaften, die ohne sie immer ärmer in ihrem Erscheinungsbild werden.
  • Und schließlich wertvoll für den Menschen, denen sie oft schon seit vielen Jahrhunderten zur Nahrungsergänzung und als Medizin dienen.

Ina Sperl erläutert die Planung, Anlage und besonders die Pflege von naturnahen und Wildobstgärten, die dann nicht nur pflegeleichter werden, sondern sich auch noch wohltuend vom immer weiter um sich greifenden „Charme“ der keimfreien, lebensfeindlichen Kiesgärten abheben. Und sie stellt uns die leckeren Möglichkeiten vor, die uns die Wildobstarten als Belohnung zur Verfügung stellen.

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagUnbekannte Küchenschätze

Einige Wildobstarten gelangen auch zu ungeahnten Ehren, machen Karriere als „Superfood“, wie Aronia oder Goji, allerdings erst dann, wenn sie verarbeitet und bunt verpackt im Regal stehen und von einem oberschlauen Superkoch mit bayerischem Akzent als seine neueste Entdeckung vermarktet werden. Doch alle Wildobstarten sind Kraft- und Nährstoffgiganten.

Selbst Leser, die glauben, schon alles über die Früchtchen zu wissen werden auf Erstaunliches, auf Neues stoßen und sich fragen, „ja warum habe ich das nicht schon früher gewusst?“ Die Autorin weist auch auf die Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Pflanzen mit „Doppelgängern“ hin, die einen Genuss auch zu einer Gefahr oder zumindest einer schlechten Erfahrung werden lassen können.

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagArtenbeschreibungen

Dann schließt sich der schönste Teil, das Highlight des Buches an. Die zweite Hälfte ist der umfangreiche Katalog der „40 besten Wildobstarten“. Tolle, sehr gut charakterisierende Fotos, begleitet von sehr detailreichen Beschreibungen, Nutzungsvarianten und einer ausgefuchsten Systematik bringen dem Leser die Früchtchen näher.

Man bekommt wirklich Lust, sofort mit offenen Augen nicht nur die Wegesränder, sondern auch die Siedlungen zu durchstreifen, denn einige Vertreter dieser Obstsorten findet man schon als ganz normale und anscheinend sehr vertraute Gestaltungsgehölze in der Nachbarschaft, oder im nächsten Park. Wer weiß schon, dass auch die Mahonie, die Kartoffelrose oder die Zierquitte unsere Küchen bereichern können.

Wildobst Ina Sperl Eugen Ulmer VerlagServiceteil

Den Abschluss des Buches bildet ein informativ übersichtlicher Blüh- und Erntekalender in dem Serviceteil, der auch Begriffserklärungen, ein Stichwortverzeichnis, weiterführende Literaturtipps und vor allem eine kleine Liste von Bezugsquellen enthält.

Fazit

Das vorliegende Buch ist ein rundum gelungenes, zugleich wunderschönes Werk, dass für jede Gartenbibliothek aber auch für Wanderer und Naturfreunde eine höchstinformative Bereicherung darstellt.

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