Kiesgärten veröden zu leblosen Flächen

Es greift
immer mehr um sich – Kiesgärten prägen inzwischen das Bild vieler Vorgärten. Öde
Flächen, die oft nicht einmal mehr Pflanzen enthalten, sollen den Besitzer von
lästigen Gartenarbeiten befreien. Selbst wenn man dafür Verständnis aufbringen
kann, bleibt die eigentlich furchtbare Erkenntnis, dass wir uns damit selbst
Stück für Stück unserer natürlichen Umwelt berauben.

Solche nackten Kiesflächen haben fast denselben ökologischen Wert wie Betonflächen. Stattdessen erfreuen wir uns dann an der Natur im TV.

Beeindruckende Tradition

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Die Tradition der Kiesgärten kommt aus dem Japan. Arm an Naturflächen begann man hier bereits vor Jahrhunderten, sich idealisierte Mikrolandschaften zu schaffen, in denen die verwendeten Elemente und Materialien für Vorbilder in der Natur stehen. Kiesflächen sollen z.B. Wasserflächen, mit ihren penibel geharkten Wellenbildern darstellen. Andere Elemente, Steine, sorgsam geformte Pflanzen stellen Inseln und Landschaften dar. Aber diese Gärten sind eher das Gegenteil von pflegeleicht und bedürfen andauernder intensiver Pflege.

Was wir bei uns finden sind oft wahllos verwendete Kiesel mit exotischer Herkunft, ungeordnet und willkürlich platzierte Dekoelemente, Pflanzen, Wurzeln und Steinen. Sogar Kunstpflanzen entdeckt man hin und wieder. Das macht diese Flächen nicht schön, sondern willkürlich und leblos.

Potential zu besonderen Lebensräumen

Dabei bieten auch in unserer heimischen Natur nährstoffarme Kiesflächen einer ganzen Gesellschaft von Pflanzen und Tieren einen ganz besonderen Lebensraum. Sie können sich sogar zu wahren Kleinbiotopen entwickeln. 120 Kilometer von der Küste entfernt habe ich auf Dachflächen mit Kies und Sedum angelegt, schon Austernfischer ihre Küken aufziehen sehen.

Ein richtig angelegter und bepflanzter Kiesgarten kann blütenreich, wunderschön und recht pflegeleicht sein. Eines der besten Beispiele für einen Kiesgarten befindet sich in einer regenarmen Region im Osten Englands: Die geniale britische Gärtnerin Beth Chatto machte aus der Not eine Tugend und pflanzte dort auf trockenem und nährstoffarmem Boden Pflanzen, die besonders gut an solche extremen Standorte angepasst sind.

Richtige Pflanzenwahl

Unter den Trockenheit vertragenden Pflanzen für einen Kiesgarten finden sich Gräser und Zwiebelblumen, zum Beispiel der Persische Lauch, sowie viele Stauden, unter anderem Sonnenhut, Prachtkerze, Perlpfötchen und Wolfsmilch-Arten. Manche Vorgärten werden als „Kiesgarten“ bezeichnet, haben diesen Namen jedoch nicht verdient: Kahle, mit Kies bedeckte Flächen, auf denen kaum Pflanzen wachsen. Ein abwechslungsreich gestalteter Kiesgarten dahingegen ist eine Wohltat fürs Auge und kann auch Bienen und Schmetterlingen Nahrung bieten.

Kiesgärten gelten als sehr pflegeleicht. Zwar lässt sich das Jäten nicht vermeiden, es ist aber leichter als auf normalem Gartenboden, denn die Wurzeln können sich im Kies nicht so gut verankern. Wurde der Boden optimal vorbereitet und stimmt die Pflanzenauswahl, ist die weitere Pflanzenpflege ganz einfach. Nach dem Anwachsen der Pflanzen im ersten Jahr ist das Düngen und Gießen in den Folgejahren im Idealfall nicht mehr nötig.

Mehr lesen https://www.gartenflora.de/mein-garten/gartenpraxis/

(in Zusammenarbeit mit der GartenFlora)

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