Archiv der Kategorie: Buchbesprechung

Genießen statt Gießen

Genießen statt Gießen

“Gut – eben wieder ein Buch, das sich einreiht in die Legion der Gartenratgeber. Wieder ein Leitfaden, der mir aufzeigt, wie ich es richtig mache.”

Doch es wäre nicht Annette Lepple, wenn hinter ihrem Titel nicht etwas Spezielles, eine besondere Idee, eine sich unterscheidende Grundhaltung zu finden wäre.

Ich darf meinen Garten erleben und muss ihn nicht als Arbeitsplatz verstehen. Diese sehr qualifizierte Gartenkennerin und Gartenbauexpertin ermuntert dazu, unbefangen auf den Garten zuzugehen.

Natürlich bedarf es auch dazu einigen Verständnisses und Aufwandes, mein erweitertes Wohnzimmer so zu gestalten, dass ich mich darin wohlfühle, ohne zu viel darin zu zu ackern.

Die Theorie

geht auf die Grundbedingungen, Grundvoraussetzungen in Lage, Boden und Klima ein, und sie ermuntert dazu, alte, oft arbeitsintensive Gartenkonzepte, mit denen wir aufgewachsen sind, in die Ecke zu stellen und die Natur in den Vordergrund zu rücken. Der Schwerpunkt gilt dabei der Versorgung des Gartens mit Wasser.

Ich selbst sehe in meiner Umgebung den verrückten Spagat. Wir lieben die “unberührte” Natur und kultivieren im besseren Fall enorm aufwändige, Friedhofs- und durstige Golfplatzlandschaften oder schaffen uns neuerdings die sterilen toten Stein- und Kieswüsten,

Die Praxis

Der neue Aspekt ist: “Trau Deinen Pflanzen etwas zu!” Klingt eigentlich ganz gut, was aber wenn es drauf ankommt? Was ist, wenn es “furztrocken” wird? Was ist, wenn es klirrend kalt ist?

Viele Pflanzen beweisen es, und die Möglichkeiten mit Ihnen zu gestalten, sind unendlich, wie viele der scheinbar unwirtlichsten Landschaften auf dem Planeten beweisen. Und sie beweisen auch, dass viele überlieferte Garten-Weisheiten weit hinter denen der Natur zurückstehen.

Sorgfältige Planung und gute Vorbereitung stehen auch hier am Anfang. Sich den Gegebenheiten anpassen und nicht gegen sie zu arbeiten ist die von Annette Lepple beschriebene Praxis. Den Boden “ausloten” und hinsichtlich seiner Möglichkeiten gestalten ist die Empfehlung.

Das Ergebnis

“Legen Sie die Gießkanne aus der Hand, und tanzen Sie lieber mit den Blüten!” Man kann es kaum schöner ausdrücken.

Manch erfahrene Gartenliebhaber wird sich wohl ungläubig die Augen reiben, bevor er sich vielleicht sogar lächelnd entspannt zurücklehnt, wenn er erfährt, dass es durchaus ein Zuviel an Arbeit und Anstrengung gibt.

Dies ist der vielleicht schönste Abschnitt des Buches, der eindrucksvoll vor Augen führt, was mit dieser Einstellung alles möglich ist. Eine ganze Reihe an Beispielen zeigen, wie dieser nur scheinbar reduzierte Anspruch tolle Gärten hervorgebracht hat.

Pflanzenportraits

Annette Lepple zeigt als “kleine” Auswahl mehr als hundert Beispiele von Pflanzen, die mit extremen Bedingungen klar kommen. Und das offensichtlich bereits viel länger als es besorgte Gärtner gibt. Sie verweist auf die “Intelligenz der Pflanzen”, ein mich sehr beeindruckender Begriff.

Fazit

Nachdem mir ihr erste Werk Gartenträume – Gärten mit Gefühl, aus dem Sommer 2015 in die Hände gefallen war, hatte ich schon eine veränderte Sicht auf Garten bekommen. Das setzt die Autorin in diesem Buch fort.

Mit wirklich wenigen Ratschlägen zeigt sie die Wege auf, zu einem Garten zu kommen, den man genießen kann, und dessen Pflegeaufwand auf ein Minimum schrumpft.

Annette Lepple schreibt nicht nur schön, sondern alle Fotos des reich und anschaulich bebilderten Bandes sind bis auf ganz wenige Ausnahmen auch von ihr.

Ich empfehle auch dieses Buch selbst denjenigen gerne weiter, die nicht unbedingt vorhaben, ihren Garten neu anzulegen oder umzugestalten. Es macht Spaß, sich mit der Grundidee zu beschäftigen, und das Buch einfach zu genießen. Und dann schafft sich die Idee vielleicht stetig mehr Platz: “Pflege nicht eine Rasenwüste und sehne Dich nur nach der Blumenwiese, sondern schaffe sie!”

Info

  • Genießen statt Gießen, Trockenheitstolerante Gärten gestalten
  • Autorin und Fotografin Annette Lepple.
  • Verlag Eugen Ulmer, 2018, ISBN 978-3-8001-5844-7
  • 144 Seiten, 155 Farbfotos, 6 farbige Pläne, Flexcover.
  • Preis 24,90 Euro

Selbstversorgt durch die kalte Jahreszeit

Praxisorientertes Gartenbuch

Wie schon aus dem Titel des Buches “Selbstversorgt durch die kalte Jahreszeit, Sorten, Kultur, Pflege, Rezepte” zu erkennen ist, handelt es sich bei diesem Praxisbuch thematisch um Anbau und Pflege, Ernte und Verbrauch von Wintergemüse.

Selbstversorgt durch die kalte Jahreszeit, Selbstversorgung, Gemüsekultur, Gartengestaltung, Nutzgarten Leopold Stocker Verlag

Grundsätzliche Voraussetzungen

Ein erstes Kapitel beschäftigt sich mit den grundlegenden Voraussetzungen, die für den Anbau solcher Gemüsesorten zu beachten sind. Sehr umfangreich wird diese Thematik von Bodenbeschaffenheit bis zu den Schädlingen, von Wetter bis Lagerung durchleuchtet.

Sorgfältige Planung spart Arbeit

Im zweiten Abschnitt geht es um die konkrete Planung und Vorbereitung des Gartens, so wie die Abstimmung der Arbeitsschritte und -organisation des Gartenzeitraums.

Wie wichtig all diese Überlegungen und Planungen sind, um bei Anbau, Pflege und Ernte zu einer gewissen Routine zu gelangen zeigt der Umfang dieser ersten Teile. Sie umfassen mehr als ein Drittel des Buches.

Selbstversorgt durch die kalte Jahreszeit, Selbstversorgung, Gemüsekultur, Gartengestaltung, Nutzgarten Leopold Stocker Verlag

Geeignete Sorten

Erst danach geht die Autorin im thematischen Hauptteil auf die einzelnen Gemüsearten ein. Sie führt sehr ausführlich mehr als zwanzig Gemüse und Gemüsefamilien auf, die sich für eine Winterbevorratung eignen. Jede einzelne wird umfangreich mit Wort und aussagekräftigen Bildern beschrieben. Hinzu kommt noch ein ausführlicher Teil mit einer ganzen Reihe von Kräutern.

Selbstversorgt durch die kalte Jahreszeit, Selbstversorgung, Gemüsekultur, Gartengestaltung, Nutzgarten Leopold Stocker Verlag

Lagerung, Konservierung, Zubereitung

Abschließend geht die Autorin auf die Verarbeitung und Zubereitung der Gemüse ein. Von der Lagerung und Konservierung bis zum „sofortigen Genuss“ gibt es eine Menge von Anleitungen und Rezepten.

Der Anhang führt neben dem Register auch eine gute Adressliste für den Bezug robuster und alter, seit Generationen entwickelter und erprobter Sorten auf.

Fazit

Das Buch trägt einem nicht ganz neuen Trend in der westlichen Welt Rechnung. Man möchte nicht mehr so abhängig von durchgestylten Massenprodukten sein und wendet sich zunehmend der eigenen Aufzucht von Gemüsen zu, die sich durch Vielfalt, gesunden Inhaltsstoffen und de Wert der eigenen Arbeit an sich auszeichnet.

Besonders in Städten ist diese Bewegung seit einigen Jahren zu beobachten, während in ländlichen Räumen der Anteil häuslicher Versorgungsgärten noch immer zurückgeht. Doch Heide Hasskerl gibt allen Gärtnern dort wie hier einen differenzierten und verlässlichen Leitfaden an die Hand.

Selbstversorgt durch die kalte Jahreszeit, Selbstversorgung, Gemüsekultur, Gartengestaltung, Nutzgarten Leopold Stocker Verlag

Information

  • SELBSTVERSORGT DURCH DIE KALTE JAHRESZEIT
  • Autorin: Heide Hasskerl, Leopold Stocker Verlag
  • Praxisbuch
  • 207 Seiten, durchgehend farbig bebildert, Hardcover
  • ISBN 978-3-7020-1627-2, Preis €  19,90