Cheledonium majus Schöllkraut

Allerlei Zauberei (3) – die Sprengmeister

Cheledonium majus Schöllkraut
Schöllkraut

Spätestens seit Harry Potter ist der Stein der Weisen ein bekannter Begriff. Mit seiner Hilfe wäre es den Alchemisten im Mittelalter fast geglückt Gold herzustellen. Man glaubte ihn mit Hilfe der Goldwurz, heute besser bekannt als Schöllkraut, sprengen zu können. Dass das Schellkraut /Schöllkraut dazu in der Lage ist, war gewiss.  Schließlich  konnte man mittels des Schöllkrauts  Warzen entfernen, warum also nicht auch den Stein der Weisen sprengen ? das Problem war nur, dass der Stein der Weisen nie gefunden wurde. Mancherlei weitere Heilwirkungen wurden dem Schöllkraut nachgesagt, bis hin zur Wirksamkeit gegen den Krebs.

Euphorbia lathyris Springwurz, Kreuzblättrige Wolfsmilch
Springwurz

Der Sprengkraft einer anderen Pflanze soll sich der weise König Salomon beim Bau des Tempels bedient haben.  Da die Springwurz (Kreuzblättrige  Wolfsmilch) ihre Samen, wenn sie reif sind, mit enormer Energie herausschleudert, wurde ihr nachgesagt, dass sie alles Feste und Geschlossene lösen oder aufsprengen könne. Salomon soll mit dem „Schamir“ Felsen gesprengt haben.  Ich vermute eher, dass der Schamir bei der Zerstörung des Tempels eingesetzt wurde, schließlich hat man nie Überreste dieses sagenhaften Tempels gefunden.

Für die Hexen und Zauberer des Mittelalters war es schwierig  an die Springwurz heranzukommen, da sie bei uns nicht heimisch ist.  Eben im Onlineshop für Hexenbedarf bestellen war nicht üblich und der Händler um die Ecke hatte erhebliche Lieferzeiten. Aber es  gab Abhilfe. Die findige Hexe spannte den Schwarzspecht für sich ein. Sie verschloss seine Nisthöhle mit einem Pflock. Da der Specht seinerseits natürlich auch die Wirkung der Springwurz kannte, flog er postwendend los um sie zu holen. Nun musste man bei seiner Rückkehr nur noch einen roten Mantel unter dem Nest ausbreiten und den Vogel mit lautem Geschrei erschrecken,  damit er den „Zähmezweig“ fallen ließ.

Schon hatte man gratis und frachtfrei ein vielseitiges Zaubermittel in Händen. Man konnte es zum Ziehen von Zähnen nutzen , Hautausschlag heilen und alles mögliche mit Ihm spalten.

Karl der Große ließ das „Pillenkraut“ wegen seiner Heilkraft anbauen. Der Verfasser der ersten Naturgeschichte, Konrad von Megenburg jedoch warnte, dass es nicht gut sei, wenn zu viele Menschen um die Kraft der Springwurz wüssten. Es sei dann kein Schloss mehr vor Zerstörung sicher. Diesem Gedanken folgend haben sich Kirche und Adel dann auch Jahrhunderte lang erfolgreich bemüht das Wissen der Gelehrten dem gemeinen Volk vorzuenthalten.

Zähmezweig heißt Die Springwurz übrigens, weil in der germanischen Göttersage Fro lange vergeblich um seine Frau Gerda warb. Selbst den goldenen Apfel verschmähte sie. So griff er zum äußersten Mittel und drohte ihr mit dem Zähmezweig. Erst da gab sie seinem Werben nach.

Mir scheint ich muss mich langsam auf die Suche nach der nächstgelegenen Schwarzspechthöhle machen. So ein Zähmezweig scheint mir auch in der Kindererziehung recht nützlich…

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