Äpfel mit Birnen vergleichen

Obwohl man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen soll, versuche ich es nun doch einmal. Bei der Erstellung der Sortenlisten für mein Pflanzenlexikon sind mir nämlich einige Dinge aufgefallen.

Viele Apfelsorten sind in Deutschland gefunden oder gezüchtet worden. Die meisten bei uns gepflanzten Birnen stammen jedoch aus Frankreich oder Belgien. Alte deutsche Sorten gibt es kaum. Die wenigen, die es gibt, haben meist nur eine regionale Verbreitung. Das kann allerdings auch kaum verwundern.

Benötigt die Birne doch für ein gutes Wachstum ein viel wärmeres Klima, da die ältesten Sorten doch aus dem Mittelmeerraum stammen. Obwohl Birnen schon seit dem 8. Jahrhundert in Kultur sind, haben sie nie einen so massenhaften Anbau wie die Äpfel erreicht. Ihr Marktanteil beträgt nur etwa 1/3 im Vergleich zum Apfel. So verwundert es nicht, dass auch die Zahl der Birnensorten viel übersichtlicher ist. Ich hatte daher bei der Erstellung der Listen viel weniger mit Synonymen zu kämpfen. Eine Ausnahme macht allerdings die Sorte Regentin, für die es über 60 verschiedene Namen geben soll.

Auch ist die Birne fast gar nicht als kleiner Baum oder als Buschobst zu halten. Für die Veredlung von Birnen Kommen als Unterlage nur eine Birnensorte oder die Quitte in Frage. Deutsche Sorten wurden verstärkt erst Ende des 19. Jahrhunderts durch die Baumschule Späth bei Berlin und in Geisenheim gezüchtet .

Während es viele neuere Apfelsorten gibt, die die alten Sorten zu verdrängen drohen, sind die bekanntesten und beliebtesten Birnensorten bereits im, oder vor dem 19. Jahrhundert entstanden. Wer hätte schon gedacht, dass eine so bekannte Sorte wie „Clapps Liebling“ vor mehr als 150 Jahren in den USA entstanden ist. Noch älter ist die wohl bekannteste aller Birnen: Die Williams Christ Birne wurde schon um 1770 von einem Lehrer in England gefunden. Selbst Sorten mit so deutschen Namen wie „Pastorenbirne“ oder „Vereinsdechantsbirne“ kommen ursprünglich aus Frankreich.

In Norddeutschland sind also Äpfel viel verbreiteter als Birnen, die viel mehr Platz und  Wärme benötigen. Dazu mag auch der schwer zu bekämpfende Birnengitterrost beigetragen haben, den die Bäume zwar in der Regel überleben, sie aber doch sehr schwächt. Dennoch waren eingemachte Birnen in meiner Kindheit der Standard-Nachtisch im Wechsel mit selbstgemachtem Apfelmus, an das meiner Meinung nach das  schlabbrige Apfelmus aus dem Supermarkt nie herankommen wird.

Während mir die festen knackigen Birnen besser gefallen, darf ein Apfel für mich ruhig weich und süßlicher sein. Aber das ist natürlich Geschmacksache.

Eine Übersicht über die wichtigsten Apfel-, Birnen-, Kirschen und andere Obstsorten ist jetzt im Lexikon verfügbar. Weitere sortierte Listen nach Reife, Verwendung, Alter der Sorte  usw. werden folgen.

2 Gedanken zu „Äpfel mit Birnen vergleichen“

  1. Birnengitterrost gibt es erst einige Jahrzehnte, der spielte also für die geringere Verbreitung der Birnen keine Rolle.

    Das nordische Klima lässt wärmebedürftige Birnen häufig nicht ausreifen. Frühreife Sorten, wie z.B. Clapps Liebling sind jedoch nicht lagerfähig, weswegen jeder Garten nur einen oder wenige Birnbäume hatte, während lagerfähige Apfelsorten beliebter sind und waren.
    Lagerfähige Birnensorten gibt es wenig, bzw. sie entsprechen nicht dem modernen Geschmack.
    Mostbirnen gibt es in vielen Sorten, sie sind aber herb und nicht für den Rohverzehr geeignet, sondern nur als Most genießbar. Ihre Verbreitung ist lokal sehr unterschiedlich.

    Da diese Problematik auch schon 1850-1900 in der Blütezeit der Pomologie bestand, sind vermutlich weniger Birnen- als Apfelsorten beschrieben. Das muss nicht heißen, dass es auch weniger Sorten gab/gibt.

    Birnen bentigen nicht pauschal mehr Platz als Äpfel, im Gegenteil haben Birnen meist weniger ausladende Kronen als Äpfel.

    Abseits der Äpfel-/Birnenfrage finde ich es befremdlich, dass die historischen Abbildungen der Obstsorten hier ohne Quellenangabe, dafür aber mit „gartennetzwerk.com“ im Bild auftauchen. Das erweckt den Eindruck, Sie würden sich ein Urheberrecht daran anmaßen und hält andere Personen von der Nutzung dieser vermutlich inzwischen gemeinfreien Abbildungen ab. Ich mchte das rechtlich garnicht näher bewerten, eine entsprechende Änderung schadet aber vermutlich auch nichts.

    1. Vielen Dank für den fachlich fundierten Kommentar.
      In der Tat verwende ich gemeinfreie Abbildungen, die ich nachbearbeitet habe. Ein Urheberrecht daran beanspruche ich nicht. Die Scans mit gartennetzwerk.com. zu versehen halte ich für legitim. Quellenangaben schaden sicher nicht
      Zu den fachlichen Anmerkungen ist zu sagen, dass Emil Kalender 1895 in seinem Buch der rationelle Obstbau den Birnengitterrost bereits beschreibt.
      Richtig ist, dass Birnen in der Regel eher in die Höhe als in die Breite wachsen. Die Kronen von Apfelbäumen dagegen tendenziell eher in die Breite gehen. Die Schlussfolgerung, dass es wohl deutlich mehr Apfelsorten als Birnensorten gibt, bezieht sich auf Deutschland und ich denke dass sie so auch richtig ist. Die Anmerkungen zur Lagerfähigkeit und zu den Mostbirnen bestätige ich gern.

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