Lewisia

Mairegen am Muttertag

Wenn es stimmt, dass Mairegen schön macht, sind in diesem Jahr die Chancen für Gärtnerinnen auf dem Heiratsmarkt sicher nicht schlecht. Andere Bauernregeln zum Wetter sind dagegen schon eher nachzuvollziehen. Heißt es doch: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun‘ und Fass“.  In der Tat bedankt sich die Pflanzenwelt zur Zeit mit üppigem Wachstum. Dennoch könnte der Regengott für meinen Geschmack gern einmal eine kleine Pause einlegen. Bei der derzeitigen Kälte und Nässe bekomme ich den Allerwertesten einfach nicht hoch, um einige gärtnerischen Tätigkeiten zu erledigen. Da aber das Wochenende nun doch viel zu schade war, es lethargisch auf dem Sofa zu verbringen, nutzte ich eine Regenpause, um einige frische Fichtentriebe zu sammeln. Sie ahnen es: Ich hatte wieder mal Kochexperimente im Visier.

Fichte

Fichtenwipfelsirup

stand am Sonntag auf der Agenda. Das Einsammeln des Rohmaterials gestaltete sich zunächst deutlich einfacher als bei der Zubereitung des Löwenzahnsirups. Diesmal wollte ich die Sache jedenfalls etwas planmäßiger angehen. Zucker war genügend im Hause, auf die lange Einkochzeit war ich vorbereitet und weil Muttertag war, hatte ich mir ein sauberes Arbeiten mit gründlicher Endreinigung der Küche fest vorgenommen.  Natürlich weckten die aufsteigenden Düfte gleich das Interesse meiner Familie. „Wird das Medizin?“ war die erste abwertende Nachfrage. Angesichts der abgekochten Fichtenwipfel folgte die Vermutung : „Jetzt kocht er schon  Gras!“  Ich musste also befürchten, in Kürze von freundlichen aber kräftigen Männern in einem Blaulichtfahrzeug abgeholt zu werden.

Auch erste Geschmacksproben meiner Kinder fielen niederschmetternd aus. Doch ich ließ mich nicht beirren. Eine ganze Weile kochte der gezuckerte Sud still vor sich hin, und alles deutete darauf hin, dass am Ende des Tages eine ganz ordentliche Menge an Sirup herausspringen würde.  Doch langsam dämmerte es mir: Ich hatte zuwenig geeignete Gläser. Ich machte mich also auf die Suche. Derweil wurde der Duft der Fichtennadeln intensiver. Der Vorsatz des sauberen Arbeitens war jäh zunichte gemacht, denn überkochender Fichtensirup ist eine recht klebrige Angelegenheit. Das Gläserproblem war also nur das kleinere Problem gewesen und hatte sich auch bereits gelöst. Mit klarem Schnaps versetzt, sollte sich aus Teilen des Sirups zusätzlich ein ungewöhnlicher Likör herstellen lassen. Nach einigen weiteren kleinen Holprigkeiten, die ich um mich nicht gänzlich der Lächerlichkeit preis zu geben verschweige, hatte der Sirup schließlich die erforderliche Konsistenz und konnte abgefüllt werden. Was folgte war ein langer Abend mit der besagten Küchenreinigung. Diese allerdings muss wohl zur allgemeinen Zufriedenheit ausgefallen sein, denn weitere hämische oder aufgeregte Kommentare blieben aus. Hier hatte ich auch ausgesprochen sorgfältig gearbeitet, schließlich war ja Muttertag.

2 Gedanken zu „Mairegen am Muttertag“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.