Friedhofslinde von Annaberg

Sagen – Die Linde von Annaberg

Linde von Annaberg

Um die noch heute erhaltene über 500-jährige Friedhofslinde von Annaberg im Erzgebirge rankt sich eine Sage, auf deren Spur mich der Artikel in „Die Gartenlaube“ von 1883 brachte.  Der Geburtstag der dort begrabenen und im Artikel erwähnten „Erfinderin des Spitzenklöppelns“ Barbara Uthmann jährt sich 2014 zum 500-sten Mal und scheint mindestens von regionaler Bedeutung zu sein. Dafür sprechen jedenfalls die „Annaberger Klöppeltage“ und die Sanierung ihres Grabmales. Die Friedhofslinde von Annaberg ist auch als Auferstehungslinde bekannt und gehört sicher zu „Deutschlands merkwürdigsten Bäumen“.

Die Sage um die Linde beschreibt der Annaberger Chronist Adam Daniel Richter wie folgt:

Auf dem Gottesacker zu Annaberg stehet eine große, schöne und mit Ästen stattlich ausgebreitete Linde, unter welcher der Rat und die Vornehmsten aus der Stadt auf Stühlen zu sitzen pflegen, wenn die Trinitatispredigt unter freiem Himmel jährlich zu Mittage gehalten wird.

Man hat die Tradition, dass diese Linde bei folgender Gelegenheit umgekehrt hierher gesetzt worden sei. Ein Marstaller allhier auf St. Annaberg habe einen ruchlosen Sohn gehabt, welcher sonderlich

an keine Auferstehung habe glauben wollen, daher ein Priester sich alle Mühe gegeben, diesen bösen Menschen auf bessere Gedanken zu bringen. Derselbe sei mit dem ruchlosen jungen Burschen auf den Gottesacker gegangen und habe ihm daselbst vorgestellt, dass dieses das Feld des Herrn sei, wie der ausgestreute Same auf dem Felde aufginge und herfür wachse, so würden auch diese Begrabenen, so zu sagen, als ein Samen, wieder aus der Erde am jüngsten Tage herfür kommen. Darauf habe dieser junge Mensch eine noch kleine Linde auf dem Kirchhof erblicket, solche angesehen und zu dem Priester gesagt, so wenig als diese Linde, wenn man sie ausreißen und umgekehrt mit den Ästen in die Erde setzen wollte, ausschlagen würde, so wenig würden diejenigen, welche einmal tot wären, wiederum lebendig werden und auferstehn. Hierauf habe der Priester, in göttlichem Eifer entbrannt, geantwortet, er wüsste gewiss, Gott würde so gnädig sein, und um solche Ruchlosigkeit zu strafen, ein Zeichen seiner Allmacht sehen lassen, er wolle diese Linde umgekehrt lassen in die Erde setzen, und würde sie ausschlagen, so sollte er hiervon seinen bösen Unglauben kennen lernen, welches auch hernach also geschehen.“

Im  „Sagenschatz des Königreichs Sachsen“ von 1874 wird das Ereignis ähnlich beschrieben. Demnach soll es sich bei dem von Adam Daniel Richter als „ruchlosen Burschen“ bezeichneten jungen Mann um den Rechenmeister Adam Ries gehandelt haben, der durch das Beispiel zum Glauben bekehrt wurde:

„Auf dem Gottesacker zu Annaberg steht eine ungeheuere Linde, die 9¼ Ellen im Umfange und 3 Ellen im Durchmesser hat und 16 10 Ellen lange, unten am Stamm herausgewachsene und auf 24 Säulen ruhende Wurzeln oder Aeste hat. Die Höhe des Stammes beträgt 3 Ellen. Nach der Volkssage verdankt sie ihr Entstehen folgendem Wunder:

Auf der nach ihm so genannten Riesenburg, einer Besitzung in der Nähe der Stadt, lebte zu Anfange des 16. Jahrhunderts der Bergschreiber Adam Ries, dessen Name durch sein Rechenbuch eine gewisse Unsterblichkeit erlangt hat. Er brachte alle seine freie Zeit mit Nachdenken über religiöse Gegenstände zu und besonders machte ihm die Lehre von der Auferstehung viele Scrupel. Er liebte es daher, auf den Gottesacker zu gehen und hier über diesen Gegenstand weiter zu meditiren. Dies that er auch am 16. Oct. 1519, und zwar in Gesellschaft seines Beichtvaters. Derselbe bemühte sich, ihm aus der heiligen Schrift die Wahrheit dieses Dogma’s zu erweisen, allein vergebens; endlich zog derselbe ein in der Nähe stehendes junges Lindenbäumchen aus der Erde und steckte es mit den Worten: „So wahr es ist, lieber Ries, daß ich dieses junge Bäumchen verkehrt in die Erde stecke und es zu einem großen Baume heranwachsen wird, eben so gewiß giebt es einst eine Auferstehung!“ Zwar machten diese Worte auf den Ungläubigen keinen Eindruck, als er aber kurze Zeit nachher wieder auf den Kirchhof kam, sah er, daß das Bäumchen vollständig in die Erde eingewachsen war. Seit dieser Zeit ward er aber gläubig und blieb es bis an seinen Tod, der im Jahre 1559 erfolgte.“ 

 

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