Lustschloss Leopoldskrone

Schwierige Kundschaft – Fundstück von 1790

Lustschloss LeopoldskroneEin weiteres Fundstück, diesmal aus dem ersten Band der  „Kleinen Gartenbibliothek“ von 1790, ist der Briefwechsel zwischen einem Auftraggeber, der seinen Garten umgestalten lassen wollte und einem Gärtner, den er hiermit zu beauftragen suchte.

Der Kunde, ein pensionierter Obrist, schrieb den Gärtner um Hilfe bittend an, da seine eigenen gartenbaulichen Versuche bisher nur Stückwerk geblieben waren, wie er  freimütig einräumte. Er vergaß auch nicht zu erwähnen, dass er bereits etliche Personen um Rat gefragt, ihm bisher jedoch noch niemand habe weiterhelfen können.

Das Schreiben des Kunden

Erster Ratgeber sei sein Arzt gewesen,  der ihm empfahl  verschiedene Stauden, Büsche und Bäume nach den Regeln der Gartenkunst anzupflanzen und auch einige ländliche Seen anzulegen. Auch den Rat des Barbiers wöchentlich den Rasen zu mähen und die Bäume gelegentlich zur Ader zu lassen, habe er weit von sich gewiesen. Spätestens die darauf folgende Ausführung, wie er mit seinem eigenen Gärtner verfahren war, werden  dem um Rat ersuchten „Kunstgärtner“ wohl die Augen geöffnet haben.  Frei heraus schrieb ihm sein potentieller Kunde:

„Mein Gärtner machte in meiner Abwesenheit krumme Wege. Bey meiner Zuhausekunft ließ ich aber alles wieder wegräumen, und ihn durch meinen Kutscher, der vorzeiten unter meiner Compagnie Corporal war, den Puckel mit dem Stock gerade machen, Er hat seit dem nicht wider Krumme Wege gemacht.“

Der Obrist führte weiter aus, dass er den Ratschlag seines Verwalters aus seinem Gartenplatz eine Wiese zu machen, um immer frische Milch im Hause zu haben, ebenso entschieden abgelehnt habe, wie den Wunsch seiner Leibwäscherin in der Nähe des Waschhauses eine Bleiche einzurichten.  Hinter den Empfehlungen einiger weiterer Ratgeber vermutete dieser spezielle Kunde reine Geldmacherei, so dass er folgerichtig auf einen von ihnen seinen Hund gehetzt habe.

Nach dieser ausführlichen Berichterstattung vergaß der feine Herr nicht, seine eigenen Wünsche zu äußern. Ein militärisch angelegter Garten sollte es sein, der einem Schlachtfeld zu gleichen habe, möglichst ohne Bäume, die während seiner Lebenszeit doch nicht groß würden und es wichtig sei, dass er den Feind beizeiten kommen sehen könne. Da die weiteren ziemlich genauen, aber ebenso abstrusen Vorstellungen des Obristen   den Rahmen dieses Artikels  sprengen würden , lasse ich sie hier aus. Nicht unerwähnt lassen möchte ich aber seinen Wunsch ein Denkmal für sich selbst mit  einzuplanen.

Der verzweifelte Gartenbesitzer schloss seine Ausführungen mit untertänigsten Grüssen an den Kunstgärtner und bat dringend um einen Ortstermin. Allerdings hatte er noch eine Kleinigkeit im Nachsatz anzufügen, die ihm sichtlich schwer fiel auszudrücken und ihm wohl auch etwas peinlich war. Mit der zu Anfang erwähnten Wäscherin, die er zuvor noch als „närrisches Mensch“ bezeichnete, hatte er wie es scheint vor Zeiten ein Kind gezeugt.  Dieses war nun kürzlich verstorben und er bat den Gärtner ihm zum Andenken doch etwas  „halb militärisches, halb bürgerliches “ zu erfinden.

Nun kann man diesem Kunden nicht vorwerfen, nicht mit offenen Karten gespielt zu haben. Der angeschriebene Gärtner musste sich also etwas einfallen lassen. Doch die  deutlich knappere Antwort des hochgerühmten Gartenarchitekten ließ nicht lange auf sich warten.

Lustschloss

Die Antwort des Gärtners

Höflich aber bestimmt wies er das Ansinnen des Obristen zurück. Es ehre ihn zwar, dass ihm diese anspruchsvolle Aufgabe zugetraut werde, aber ein  solches Genie, diese auch bewältigen zu können, sei er nicht.

Dennoch gab er dem Obristen einige kostenfreie Ratschläge mit auf den Weg. Er möge dem Rat seines Arztes folgen.  Seinen Gärtner solle er um Verzeihung bitten und ihn seine krummen Wege machen lassen. Auch den Wunsch der Wäscherin solle er erfüllen. Selbst die Vorschläge des Barbiers seien nicht ganz abwegig und falls  es im Hause an Milch mangele, solle er ruhig eine Wiese anlegen lassen.

Bezüglich des Kindes empfahl er eine Urnenbeisetzung auf dem Grundstück und die Errichtung eines  Denkmals. Da ja heute schon Denkmäler für Hunde und Pferde errichtet würden, sei dies für Liebeskinder durchaus angemessen. Sogar für eine passende Inschrift hatte der Gärtner einen Vorschlag parat:

 „Mein Vater war roth

Meine Mutter weiß,

Mein Vater unbekandt,

Meine Mutter bekandt;

Aus diesen beiden beyden entstand ich:

Wanderer ! rathe was war ich ?“

Mir scheint von diesem Gärtner können wir etwas lernen. Was aus aus dem Garten des Obristen geworden ist, ist nicht überliefert.

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Der Briefwechsel ist im noch ausführlicheren  Original zu finden unter: http://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/metadata/2089720/0/LOG_0000.  Die zur Illustration herangezogenen bearbeiteten Abbildungen entstammen ebenfalls dem dort veröffentlichten Band der „Kleinenen Gartenbibliothek“.

 

 

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