Schlagwort-Archive: Zauberei

Allerlei Zauberei (5) – Zaubern für den Weltfrieden

In Deutschland ist dieses Zaubermittel heute in Vergessenheit geraten und mit der Abschaffung der Wehrpflicht auch nicht mehr notwendig. Dennoch könnte dieses Paket aus überwiegend pflanzlichen  Bestandteilen einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden leisten.  Solche Carepakete, massenhaft in den Nahen Osten oder in andere Krisenregionen verschickt könnte dort in Nullkommanix für Frieden sorgen. Auch die beiden Weltkriege hätten bei richtiger Anwendung nie stattgefunden.

Aus diesem Grunde halte ich es geradezu für meine Pflicht, dessen Zusammensetzung hier preiszugeben. Der inhalt des Paketes befreit seinen Inhaber nämlich von der Militärpflicht.

Das Rezept:

– 1 Erbsenschote  mit  7 Erbsen

– 1  Bohne mit neun Bohnen

– 3  heile Körner aus einem Brot

– 1 ungeborenes Ei

– 1 Kreuz- Halben – Groten  ( Groter = Alte Münzeinheit)

– 1 Nähnadel mit der ein Totenhemd genäht wurde

Zauberpaket

Das Rezept fand ich  in Schwecke: „Heimatkunde des Herzogtums Oldenburg“,1913

Wem also etwas am Weltfrieden liegt sollte den Beitrag teilen und sich umgehend auf die Suche nach Erbsenschoten mit  7 Erbsen machen bzw. entsprechen züchterisch tätig werden. 3 heile Körner im Brot zu finden sollte in den Mehrkornbroten keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten….

Das Gartenetzwerk wünscht ein schönes friedfertiges Wochenende.

Allerlei Zauberei (4) – Das Galgenmännlein

Bryonia dioica
Zaunrübe

Nach Teil 1 bis 3 der Reihe „Allerlei Zauberei“, wo es um den Haselwurm den Wünschesamen und um die Goldherstellung  ging , möchte ich die modernen Freizeithexen und Zauberlehrling nicht weiter auf die Folter spannen. Daher wende ich mich nun der Königsdisziplin  der Hexenkunst zu.

Das Hexenkraut schlechthin war und ist die Alraune. Sie verschafft Reichtum, macht unsichtbar und schützt vor jedem anderen Zauber. Auch vor Blitzschlag schützt sie ihren Besitzer, und kinderlosen Frauen bringt sie Fruchtbarkeit. Nun sollte man denken, dass es heute für uns leichter sein sollte, in den Besitz einer Alraune zu gelangen, als für die Menschen des Mittelalters. Ihnen war es nur schwer möglich, sich die Wurzel der Mandrogora officinarum zu beschaffen. Diese ist nämlich bei uns nicht heimisch.

Alternativ durfte es auch die Wurzel der Zaunrübe, Bryonia dioca sein, deren Saft nebenbei noch bei allerlei Liebeszauber hilft.  Doch an die Wirksamkeit der Wurzel sind Bedingungen geknüpft. Daher verwundert es kaum, dass ein solch zauberkräftiger Talisman in genau festgesetzter Erbfolge von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Der fünfte Sohn stand hier an erster Stelle. Starb er vor dem Vater, so war der älteste Sohn an der Reihe.

Den Besitz einer Alraune muss man natürlich geheim halten. Außer zu den Mahlzeiten, zu denen sie hervorgeholt wird oder zum Wahrsagen und zaubern bleibt sie versteckt.

Zu den Mahlzeiten? Selbstverständlich will eine Alraune gut versorgt werden. Dazu gehören neben  Essen und Trinken an Feiertagen auch ein guter Tropfen Wein, sowie jeweils bei Neumond neue Kleider. Schließlich dankt es die Alraune mit ihren Zauberkräften überreichlich.

Warum ist es aber heute schwieriger an eine Alraune zu gelangen?

Dies hängt mit Ihren Wachstumsbedingungen zusammen. Nur wenn die Zaunrübe unter einem Galgen wächst, wo sie aus dem Blut eines unschuldig Gehängten hervorgeht, erhält sie auch ihre Zauberkraft. Da Hinrichtungen am Galgen hierzulande doch sehr aus der Mode gekommen sind, und der einzig zulässige Termin zur Alraunengewinnung ein Freitag vor Sonnenaufgang ist, gilt es also zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

Die Umstände der Entstehung einer Alraune erklärt auch ihr todbringendes Geschrei, dass sie erhebt, wenn sie aus der Erde geholt wird. Früher schützte man sich, indem man seine Ohren mit Wachs verschloss. Heute gibt es da bessere Alternativen.

Allerdings muss nach wie vor ein schwarzer Hund als Helfer bei der Alraunengewinnung herhalten. Nicht ein weißes Haar darf an seinem Fell sein, sonst ist alle Mühe umsonst. Sind all diese Voraussetzungen erfüllt braucht man nur noch den Hund die Wurzel ausgraben zu lassen, sie dann mit einem Seil an seinen Schwanz binden, und sie von ihm herausziehen zu lassen.  Unnötig zu erwähnen, dass der Hund bei dieser Aktion sein Leben einbüßt. Der Ärger mit Tierschützern ist da natürlich vorprogrammiert, also macht mich für Risiken und Nebenwirkungen bitte nicht verantwortlich.

Allerlei Zauberei (3) – die Sprengmeister

Cheledonium majus Schöllkraut
Schöllkraut

Spätestens seit Harry Potter ist der Stein der Weisen ein bekannter Begriff. Mit seiner Hilfe wäre es den Alchemisten im Mittelalter fast geglückt Gold herzustellen. Man glaubte ihn mit Hilfe der Goldwurz, heute besser bekannt als Schöllkraut, sprengen zu können. Dass das Schellkraut /Schöllkraut dazu in der Lage ist, war gewiss.  Schließlich  konnte man mittels des Schöllkrauts  Warzen entfernen, warum also nicht auch den Stein der Weisen sprengen ? das Problem war nur, dass der Stein der Weisen nie gefunden wurde. Mancherlei weitere Heilwirkungen wurden dem Schöllkraut nachgesagt, bis hin zur Wirksamkeit gegen den Krebs.

Euphorbia lathyris Springwurz, Kreuzblättrige Wolfsmilch
Springwurz

Der Sprengkraft einer anderen Pflanze soll sich der weise König Salomon beim Bau des Tempels bedient haben.  Da die Springwurz (Kreuzblättrige  Wolfsmilch) ihre Samen, wenn sie reif sind, mit enormer Energie herausschleudert, wurde ihr nachgesagt, dass sie alles Feste und Geschlossene lösen oder aufsprengen könne. Salomon soll mit dem „Schamir“ Felsen gesprengt haben.  Ich vermute eher, dass der Schamir bei der Zerstörung des Tempels eingesetzt wurde, schließlich hat man nie Überreste dieses sagenhaften Tempels gefunden.

Für die Hexen und Zauberer des Mittelalters war es schwierig  an die Springwurz heranzukommen, da sie bei uns nicht heimisch ist.  Eben im Onlineshop für Hexenbedarf bestellen war nicht üblich und der Händler um die Ecke hatte erhebliche Lieferzeiten. Aber es  gab Abhilfe. Die findige Hexe spannte den Schwarzspecht für sich ein. Sie verschloss seine Nisthöhle mit einem Pflock. Da der Specht seinerseits natürlich auch die Wirkung der Springwurz kannte, flog er postwendend los um sie zu holen. Nun musste man bei seiner Rückkehr nur noch einen roten Mantel unter dem Nest ausbreiten und den Vogel mit lautem Geschrei erschrecken,  damit er den „Zähmezweig“ fallen ließ.

Schon hatte man gratis und frachtfrei ein vielseitiges Zaubermittel in Händen. Man konnte es zum Ziehen von Zähnen nutzen , Hautausschlag heilen und alles mögliche mit Ihm spalten.

Karl der Große ließ das „Pillenkraut“ wegen seiner Heilkraft anbauen. Der Verfasser der ersten Naturgeschichte, Konrad von Megenburg jedoch warnte, dass es nicht gut sei, wenn zu viele Menschen um die Kraft der Springwurz wüssten. Es sei dann kein Schloss mehr vor Zerstörung sicher. Diesem Gedanken folgend haben sich Kirche und Adel dann auch Jahrhunderte lang erfolgreich bemüht das Wissen der Gelehrten dem gemeinen Volk vorzuenthalten.

Zähmezweig heißt Die Springwurz übrigens, weil in der germanischen Göttersage Fro lange vergeblich um seine Frau Gerda warb. Selbst den goldenen Apfel verschmähte sie. So griff er zum äußersten Mittel und drohte ihr mit dem Zähmezweig. Erst da gab sie seinem Werben nach.

Mir scheint ich muss mich langsam auf die Suche nach der nächstgelegenen Schwarzspechthöhle machen. So ein Zähmezweig scheint mir auch in der Kindererziehung recht nützlich…

Allerlei Zauberei (2) – Wünsch dir was

Dryopteris filix mas Wurmfarn
Wurmfarn, Johanneswurz

Etwas verspätet hier nun der zweite Teil von „Allerlei Zauberei“.

Wer möchte nicht mitunter unsichtbar sein oder das Geheimnis der ewigen Jugend Kennen und für sich nutzen. Wenn das ganze noch mit Glück und Reichtum einhergeht, umso besser. Unter Hexenmeistern kein Problem. Ein wenig Wünschsamen in die Schuhe gelegt und schon ist man unsichtbar.

Wünschesamen, so werden Sie Samen der Johanneswurz genannt. Johanneswurz, nie gehört ? Selbst Onkel Google kennt ihn nicht ? Ich bislang auch nicht, bis ich auf der Suche nach einer verwendbaren  Abbildung, den Namen in Platen “ die neue Heilmethode“ von 1907 fand.  Gemeint  ist der Wurmfarn. Ach ja Wurmfarn blüht ja nicht, da er keine Blütenpflanze ist, so glauben wir zumindest. Denn einmal im Jahr in der Johannisnacht am 24. Juni blüht er in goldenem Lichterglanz, wie jede halbwegs ordentlich ausgebildete Hexe weiss. So kann es in diesem Jahr nun mit der ewigen Jugend nix mehr werden. Aber bis zum nächsten Jahr werde ich mich noch gedulden können.

Einen Haken hat die Sache allerdings. Um an den Wünschesamen zu gelangen,m benötigt man die Hilfe des Teufels. Aber das Angebot Glück, Schutz vor allen möglichen Krankheiten, ewige Jugend und bei Bedarf Unsichtbarkeit ist schon ziemlich verlockend. Wie ich finde ein durchaus interessantes Preis- Leistungsverhältnis.

Nun könen wir mit unserem heutigen Wissen dem Teufel auch noch ein Schnippchen schlagen, indem wir zu gegebener Zeit einfach die Sporen des Wurmfarns ernten, was relativ risikofrei durchführbar sein dürfte. Auch die Spielverderber von der heiligen Inquisition haben an Einfluss verloren, so dass die Gefahr, die ewige Jugend bei der Hexenverbrennung doch noch zu verlieren gegen Null tendiert.  Also dann fröhliches Wurmfarnsporensammeln.

Weitere sagen umwobene Pflanzen  sind jetzt übrigens auf der Seite Hexenkräuter in Franks Pflanzenlexikon zusammengestellt.

Allerlei Zauberei (1) – der Haselwurm

Es muss  späteren Beiträgen vorbehalten bleiben, welche Zauberkräfte all diesen und noch weiteren Pflanzen  inne wohnen sollen. Jede Art für sich ist schon ein Knaller.  In meinem Bücherfundus habe ich bereits einiges  dazu gefunden und die Lektüre der alten Schinken macht einen Heidenspaß.  Mein Entschluss jedenfalls steht fest.  Ich lege mir einen kleinen Hexengarten zu und zwar dort, wo die großen Haselsträucher stehen. So habe ich immer einen Vorrat an Haselpflöcken zur Hand. Ein paar Runen hineinschnitzen und das richtige Zauberlied dazu singen und schon machen sie mich unverwundbar, heilen Wunden und selbst Feuer und Sturm  werden besänftigt.  Auch zum schlichten von Streit und um von der Geliebten erhört zu werden nützt die Haselnuss. Im Verbund mit Holunder kommen noch etliche weitere nützliche Eigenschaften hinzu.

Zuvor muss  einer von ihnen allerdings mit Stumpf und Stiel gerodet werden, denn unter den Haseln wohnt der Haselwurm. Der Haselwurm hat ungeheure Macht und Kraft. Ihm, der auch Schlangenkönig genannt wird muss sogar der Teufel zu Willen sein.

Bringe ich ihn in meinen Besitz, so bin ich gegen alle bösen Geister gesichert, finde alle verborgenen Schätze, bin unsichtbar, kann durch geschlossene Türen gehen und kenne alle verborgenen Kräfte der Pflanzen. Dass dies für den Fortgang der weiteren Gestaltung meines Geländes von großem Vorteil ist, liegt auf der Hand.

Seiner habhaft zu werden, ist natürlich nicht so leicht. Zunächst muss er im Namen Gottes begrüßt und dann unter Hersagen eines Zauberspruchs mit Beifuß bestreut werden.  Den dazu notwendigen Zauberspruch kann ich hier natürlich nicht verraten, da bitte ich um Verständnis. Zum Trost gibt es dafür morgen etwas über die Pflanze, die schon den Alchemisten  des Mittelalters zur Goldherstellung verwendeten.