Outdoor-Lounge mit orientalischem Flair gestalten

Wer seinen Garten als echten Lebensraum nutzen möchte, braucht mehr als ein paar Plastikstühle und einen Sonnenschirm. Eine Outdoor-Lounge mit orientalischer Handschrift schafft etwas anderes: eine Atmosphäre, in der man wirklich abschaltet. Das Konzept stammt aus einer langen Tradition des gemeinschaftlichen Verweilens im Freien, die sich vom Maghreb bis in den Nahen Osten zieht und sich überraschend gut auf mitteleuropäische Gärten übertragen lässt.

Standort und Grundstruktur

Der richtige Platz entscheidet über alles. Idealerweise liegt die Lounge leicht abseits vom Hauptrasen, vielleicht an einer Mauer, Hecke oder zwischen größeren Staudenpflanzungen. Eine Fläche von 12 bis 20 Quadratmetern reicht für vier bis sechs Personen aus. Der Untergrund sollte eben sein, entweder als verdichteter Kies, Natursteinplatten oder Terrakottafliesen. Terrakotta verträgt Frost schlecht, weshalb man Platten aus echtem Sandstein oder Kalkstein bevorzugen sollte, die auch nach Jahren noch gut aussehen.

Für die Grundstruktur empfiehlt sich eine leichte Pergola aus Holz oder Stahl. Eine Holzpergola aus Bangkirai oder Robinie hält ohne Anstrich 15 bis 20 Jahre durch. Über die Pergola lassen sich Rankpflanzen wie Wein, Jasmin oder Bougainvillea ziehen, wobei Bougainvillea in Kübeln überwintern muss. Wer es authentischer mag, spannt Bambus-Rollmatten oder Schilfrohrgeflechte als Schattendach ein.

Möbel, Textilien und Farben

Das Herzstück orientalisch geprägter Lounges ist die bodennahe Sitzlandschaft. Niedrige Holzplattformen, sogenannte Daybed-Konstruktionen aus 8×8 cm Kanthölzern, lassen sich für unter 200 Euro selbst bauen. Darauf kommen dicke Bodenkissen und Sitzsäcke in satten Farben: Smaragdgrün, Rostrot, Ocker, Indigo. Gewebte Kelim-Teppiche oder Outdoor-Teppiche in marokkanischen Mustern dienen als Bodenbelag und lassen sich bei Regen schnell einrollen.

Metallene Beistelltische mit durchbrochenem Muster, in Marokko als Teetische bekannt, kosten im Handel zwischen 30 und 80 Euro und sind sofort prägend für die Stimmung. Kombiniert man sie mit einer handgefertigten Teekanne und bunten Gläsern, entsteht ein stimmiges Bild ohne viel Aufwand. Bei den Textilien gilt: Outdoor-Stoffe mit UV-Schutz sind Pflicht, da normale Baumwolle nach einer Saison ausbleicht und schimmeln kann.

Licht und Duft als Atmosphäreträger

Orientalische Räume, ob innen oder außen, leben von weichem, indirektem Licht. Messingfarbene Hängeleuchten mit gelochtem Metallgehäuse werfen bei Kerzenlicht oder LED-Einsatz faszinierende Schattenmuster auf Boden und Wände. Drei bis fünf solcher Laternen, in verschiedenen Größen kombiniert und auf unterschiedlichen Höhen aufgehängt, kosten insgesamt selten mehr als 150 Euro. Zusätzlich eignen sich Lichterketten mit warmweißen Birnen (2700 Kelvin) entlang der Pergola.

Duft spielt eine ebenso wichtige Rolle. Jasmin, Lavendel und Rosengeranie lassen sich in Tontöpfen direkt in die Lounge integrieren. Wer auf ein vollständigeres Sinneserlebnis setzt, denkt auch an Räucherstäbchen oder einen kleinen Outdoor-Diffuser mit ätherischen Ölen. Das Konzept der bewussten Muße, das für diesen Stil prägend ist, erinnert an die Atmosphäre, wie sie etwa beim Ursprung und Atmosphäre einer Shisha-Bar beschrieben wird: gedimmtes Licht, weiche Sitzgelegenheiten, der Geruch von Rauch und Gewürzen.

Pflanzenwahl für das orientalische Ambiente

Die Pflanzenwelt rund um die Lounge unterstreicht das Gesamtbild. Wichtig ist eine Kombination aus architektonischen Strukturpflanzen und blühenden Füllern. Bewährt haben sich:

  • Zwergpalmen (Chamaerops humilis): winterhart bis minus 12 Grad, kübeltauglich, verleihen sofort mediterranes Flair
  • Agaven und Sukkulenten: in Tontöpfen als Akzente, müssen im Winter frost frei stehen
  • Oleander: in Kübeln, blüht von Juni bis Oktober, giftig, also Kinder und Haustiere beachten
  • Granatapfel (Punica granatum): als Kübelpflanze, dekorativ und mit essbaren Früchten ab August
  • Minze und Zitronenmelisse: funktional für Tee, duften angenehm, robust

Die Zwergpalme ist übrigens die einzige in Europa heimische Palme und damit ökologisch interessanter als viele andere Zierpalmen aus Übersee. Sie kommt mit wenig Wasser aus und verträgt trockene Sommer deutlich besser als mancher Gartenklassiker.

Wasser und akustische Elemente

Kein orientalischer Garten ohne das Geräusch von Wasser. Ein kleiner Wandbrunnen aus Terrakotta oder Keramik lässt sich mit einer kleinen Tauchpumpe (15 bis 25 Watt) betreiben und kostet inklusive Pumpe und Installation selten mehr als 300 Euro. Das gleichmäßige Plätschern übertönt Straßenlärm und schafft eine akustische Grenze zur Außenwelt.

Alternativ eignet sich ein flaches Wasserbecken aus Beton oder Cortenstahl, in dem schwimmende Kerzen oder Seerosen platziert werden. Seerosen benötigen für guten Wuchs mindestens 40 bis 60 cm Wassertiefe und volle Sonne. Informationen zu naturnaher Gartengestaltung und Wasserelementen gibt das Umweltbundesamt auf seinen Seiten zur Biodiversität im Siedlungsraum, wo auch die ökologischen Vorteile kleiner Gartenteiche für heimische Insekten und Amphibien erläutert werden.

Praktische Hinweise für den Alltag

Eine Outdoor-Lounge in diesem Stil braucht Pflege, aber keine übermäßige. Textilien sollten bei starkem Regen eingeräumt oder mit wasserdichten Abdeckhauben geschützt werden. Holzflächen einmal jährlich mit Leinöl oder einem speziellen Holzöl behandeln, Metallteile auf Rost prüfen. Wer die Lounge ganzjährig nutzen will, investiert in einen gasbetriebenen Heizpilz oder einen Edelstahl-Feuertopf, mit dem sich die Saison leicht bis in den Oktober verlängern lässt.

Der Aufwand für eine solche Anlage hält sich in Grenzen. Eine vollständig eingerichtete Lounge mit Pergola, Möbeln, Textilien, Pflanzen und Beleuchtung ist für 1.500 bis 3.000 Euro realisierbar, wenn man handwerklich mitdenkt und nicht alles fertig kauft. Das Ergebnis ist ein Ort, der mehr kann als ein herkömmlicher Sitzbereich: Er verändert, wie man den Garten wahrnimmt und nutzt.

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