Wer einen Reiterhof bewirtschaftet oder betreibt, denkt beim Thema Bepflanzung meist zuerst an Weidegras und Heu. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick auf den Paddock-Bereich: Die Fläche rund um Boxen, Ausläufe und Bewegungsflächen bietet Raum für eine Bepflanzung, die Pferde weder gefährdet noch stört, sondern im besten Fall sogar sinnvoll ergänzt. Vorausgesetzt, man weiß, welche Arten geeignet sind.
Giftigkeit als wichtigste Auswahlkriterium
Bevor irgendein Strauch oder Kraut in Pferdennähe gepflanzt wird, steht eine Frage: Ist die Pflanze für Pferde unbedenklich? Pferde fressen selektiver als oft angenommen, greifen bei Langeweile oder Futtermangel aber auch zu Gehölzen und Wildkräutern, die sie sonst meiden würden. Eibe, Goldregen, Robinie und Kirschlorbeer stehen auf der Liste der besonders gefährlichen Pflanzen für Pferde ganz oben. Schon wenige Gramm Eibennadeln können tödlich sein.
Eine zuverlässige wissenschaftliche Übersicht über toxische Pflanzenstoffe bietet die Bundesbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die unter anderem Informationen zu pflanzlichen Giftstoffen und deren Wirkung bereitstellt. Wer sichergehen will, sollte vor der Bepflanzung auch den betreuenden Tierarzt zu Rate ziehen.
Sträucher als natürlicher Sichtschutz und Windschutz
Entlang von Paddock-Zäunen und Auslaufbegrenzungen lassen sich Sträucher als lebende Windschutzhecken pflanzen. Wichtig ist dabei der Abstand zum Zaun: Mindestens 80 bis 100 Zentimeter Puffer verhindern, dass Pferde von innen an Äste oder Blätter gelangen. Bewährt haben sich folgende Arten:
- Weißdorn (Crataegus monogyna): Heimischer Strauch, robust, dichte Verzweigung, für Pferde in kleinen Mengen unbedenklich. Liefert zusätzlich Nahrung für Vögel.
- Kornelkirsche (Cornus mas): Früh blühend, anspruchslos, nicht giftig. Die Früchte sind für Pferde ungefährlich.
- Sanddorn (Hippophae rhamnoides): Dornig, bildet daher eine natürliche Barriere, sehr winterhart und trockenresistent.
- Holunder (Sambucus nigra): Wächst schnell, rohe Früchte und Blätter sind für Pferde in größeren Mengen problematisch; gepflanzt mit ausreichend Abstand zum Zaun aber tolerierbar.
Finger weg von Thuja, Buchsbaum und allem aus der Familie der Nachtschattengewächse. Diese Arten sind entweder giftig oder zumindest schlecht verträglich.
Kräuter im Paddock-Bereich: Was tatsächlich Sinn ergibt
Kräuter im eigentlichen Paddock zu pflanzen, also auf der täglich begangenen Fläche, funktioniert in der Praxis kaum: Pferde treten Pflanzen nieder und befreien die Fläche innerhalb weniger Tage von jeder Vegetation. Realistischer ist eine Kräuterpflanzung in abgegrenzten Bereichen, etwa in erhöhten Beeten an der Hofeinfahrt, an Gebäudewänden oder in Töpfen im geschützten Hofbereich.
Sinnvolle Kräuter für Reiterhöfe sind unter anderem:
- Pfefferminze: Pferde mögen den Geruch, die Pflanze wächst ausdauernd und ist gut zu händeln.
- Kamille: Klassisches Pferdekraut, wird traditionell bei Verdauungsproblemen eingesetzt, pflegeleicht und selbstaussäend.
- Schafgarbe: Robust, auf mageren Böden heimisch, enthält ätherische Öle und gilt als magenfreundlich.
- Fenchel: Blähungslösend, Pferde nehmen ihn gerne an, mehrjährig und wüchsig.
- Brennnessel: Klingt ungewöhnlich, ist aber mineralstoffreich; getrocknet oder leicht verwelkt verlieren die Pflanzen ihre Brennhaare und können als Zusatz ins Heu gegeben werden.
Wer sich tiefer mit der Haltung von Pferden und der Wahl geeigneter Pflanzen beschäftigt, findet auf Stall-Liebe.de – Der Pferde Ratgeber einen umfangreichen Überblick zu Fütterung, Haltung und pferdegerechter Gestaltung des Hofumfelds.
Bodenqualität und Standortwahl nicht unterschätzen
Paddock-Böden sind oft verdichtet, nährstoffarm und belastet. Jahrelanger Hufschlag, Regenwasser und organische Einträge aus der Pferdehaltung verändern die Bodenstruktur erheblich. Pflanzen, die hier überleben sollen, müssen mit diesen Bedingungen umgehen können. Sanddorn, Weißdorn und Schafgarbe kommen auf mageren, sandigen Böden gut zurecht. Für empfindlichere Arten wie Kamille oder Fenchel braucht es angelegte Beete mit aufgebessertem Substrat.
Das Umweltbundesamt gibt in seinen Veröffentlichungen zum Bodenschutz auch Hinweise zur Bodenverbesserung in landwirtschaftlich genutzten Bereichen, die sich auf Hofgelände übertragen lassen. Kompostgaben und eine regelmäßige Lockerung der Beete sind häufig der erste Schritt, bevor überhaupt an Bepflanzung zu denken ist.
Pflege und Kontrolle nicht vernachlässigen
Eine einmal angelegte Bepflanzung erfordert regelmäßige Kontrolle. Gehölze wachsen über den Zaun, Kräuter breiten sich aus, und gelegentlich siedeln sich unerwünschte Arten von selbst an. Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) zum Beispiel ist für Pferde hochgiftig und enthält Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber dauerhaft schädigen. Die Pflanze ist in Deutschland weit verbreitet und wächst bevorzugt auf mageren, offenen Flächen. Genau die Standorte also, die im Paddock-Umfeld häufig entstehen.
Ein Kontrollgang alle zwei bis drei Wochen, bei dem Unerwünschtes konsequent entfernt wird, ist Pflicht. Jakobskreuzkraut sollte vor der Blüte ausgerissen und nicht kompostiert werden, da die Samen sonst weiter verbreitet werden.
Kurze Planungshilfe: Welche Pflanze wo
| Standort | Geeignete Pflanzen | Hinweis |
|---|---|---|
| Zaunbegleitend, außen | Weißdorn, Sanddorn, Kornelkirsche | Mindestens 80 cm Abstand zum Zaun |
| Erhöhte Beete am Hof | Pfefferminze, Kamille, Fenchel | Substrat verbessern, regelmäßig gießen |
| Magere Randflächen | Schafgarbe, Brennnessel | Auf Jakobskreuzkraut achten |
| Gebäudewände, halbschattig | Holunder (mit Abstand), Johanniskraut | Zugänglichkeit für Pferde ausschließen |
Reiterhöfe lassen sich mit der richtigen Pflanzenwahl deutlich aufwerten, sowohl optisch als auch ökologisch. Der Aufwand für Planung und Pflege ist überschaubar, solange Giftigkeitsfragen konsequent vorab geklärt werden. Was gut für die Augen des Besuchers aussieht, muss eben auch sicher für die Tiere sein, die täglich damit in Berührung kommen.
